5G: So mies ist die Netzabdeckung Ende 2019 wirklich

5 Minuten
2019 sollte DAS 5G-Jahr werden. Doch was bleibt davon Ende des Jahres? In Erinnerung bleibt eine Frequenz-Auktion, die nicht enden wollte. Und zur Verfügung stehen 5G-Netze von Telekom und Vodafone, die die Bezeichnung Netz aber noch nicht wirklich verdienen. Warum, zeigt dir unser Netze-Redakteur Thorsten Neuhetzki in einer durchaus auch persönlichen Einschätzung.
5G-Antennen-Mast vor bewölktem Himmel
Vodafones 5G-Antennen-Mast vor bewölktem HimmelBildquelle:

Vier Anbieter haben dieses Jahr Lizenzen ersteigert, die auch den Aufbau eine 5G-Netzes ermöglichen. Dabei handelt es sich neben den drei etablierten Anbietern Telekom, Vodafone und O2 auch um 1&1 Drillisch. O2 und 1&1 Drillisch haben bis heute kein 5G-Netz gestartet. Das war eigentlich auch für Telekom und Vodafone erwartet worden. Stattdessen entschlossen sich die beiden Netzbetreiber aus Bonn und Düsseldorf um ein PR-Wettrüsten im 5G-Markt.

Als PR-Wettrüsten war es deswegen zu bezeichnen, weil es scheinbar stets darum ging, wer als erster Anbieter den ersten Sendemast aktiviert hatte, das erste Gespräch über 5G geführt hat, als erster Kunden im Netz hatte oder die meisten Sendemasten betreibt. Der wirkliche Nutzen für die Kunden in ganz Deutschland interessierte dabei kaum. Und das gilt scheinbar bis heute. Denn die Reichweite der 5G-Netze von Telekom und Vodafone ist – freundlich ausgedrückt – überschaubar.

Das 5G-Netz der Telekom unter der Lupe

Erst vor wenigen Tagen hatte die Deutsche Telekom ihre 5G-Netze in Hamburg und Leipzig in Betrieb genommen. Dabei ist das Netz bereits heute in acht deutschen Städten verfügbar: Berlin, Bonn, Darmstadt, München, Köln, Frankfurt am Main, Hamburg und Leipzig. So zumindest lesen sich aktuelle Pressemitteilungen. Wer aber schon ein 5G-Handy hat und es in einer dieser Städte nutzt, wird nur mit Glück 5G-Netz empfangen.

5G von der Telekom in Hamburg
5G von der Telekom in Hamburg

Der Grund: Gerade einmal 450 Antennen mit 5G sind in diesen Städten aktiv. Was im Zeitalter von GSM viel gewesen wäre, ist aufgrund der eingesetzten Frequenzen bei 5G kaum der Rede wert. Geht man optimistisch davon aus, dass eine 5G-Antenne einen Radius von 500 Metern versorgt, so versorgt sie etwas weniger als 0,8 Quadratkilometer. In Summe bringen es 450 Antennen also auf 360 Quadratkilometer. Das entspricht der Hälfte der Fläche der Stadt Hamburg. Tatsächlich dürfte es noch sehr viel weniger sein, da die Telekom von Antennen und nicht von Standorten spricht. Üblicherweise ist ein Standort mit mehreren Antennen ausgestattet.

Auch ein Blick in die Netzabdeckung der Telekom zeigt, wie gering die Abdeckung tatsächlich ist. Bleiben wir in Hamburg. Dort hast du gerade einmal sechs 5G-Hotspots: In Kuhwerder an den Musicaltheatern, rund um Reeperbahn/Königstraße, im Bereich der Sternschanze, an der Messe, im Bereich der alten Speicherstadt sowie zwischen Sankt Georg und Hammerbrook. Ein zusammenhängendes Gebiet, das der Telekom beispielsweise zum Start in Berlin noch wichtig war, gibt es hier nicht. Lediglich im Zentrum von Leipzig und Teilen Bonns findest du noch ein zusammenhängendes Netz.

Das 5G-Netz von Vodafone unter der Lupe

Werfen wir einen Blick auf das Vodafone-Netz. Vodafone hat vor kurzem erstmals einen Einblick in sein 5G-Netz gegeben und die Reichweite ebenfalls in seiner Netzkarte verzeichnet. 60 Standorte mit 150 Antennen seien es bei Vodafone, die schon ein 5G-Netz ausstrahlen.

Vodafone 5G in Bernau
Vodafone 5G in Bernau

Dabei rühmt sich Vodafone damit, dass man nicht nur Großstädte mit 5G und somit mit hohen Datenraten versorgt, sondern gezielt auch Kleinstädte. Vodafone nutzt dazu in der Regel Sendemasten, die das Unternehmen als Richtfunk-Sammelpunkte in seinem Netz einsetzt.

Schenkt man der Netzkarte von Vodafone Glauben, so reichen einige der Antennen aber gefühlt nicht einmal viel weiter als die eines handelsüblichen Festnetz-Funktelefons. So erreicht ein Sendemast am Stadtrand von Bernau bei Berlin nicht einmal ansatzweise besiedelte Gebiete.

Ähnliches findet sich beispielsweise auf der Insel Usedom. Dort wurde ein Verteiler-Mast an ander B110/B111 mit 5G aufgerüstet. Das Problem: Der Mast steht gefühlt „mitten im Nirgendwo“ und versorgt somit gerade mal ein Landgasthaus und fünf bis zehn Wohnhäuser. Die Bewohner dort wird die exklusive Netzabdeckung freuen, als Ortsfremder hat man bei der Durchfahrt aber gerade einmal 30 Sekunden 5G-Empfang.

Ausblick auf 2020

Klar – die Netzbetreiber befinden sich gerade erst in den allerersten Ausbauschritten. Es ist zu begrüßen, dass es überhaupt schon 5G in Deutschland gibt, nachdem sich die Versteigerung so lange hingezogen hat. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Netzbetreiber mit ihren 5G-Kampagnen falsche Erwartungen beim Verbraucher wecken. Das sagte im Oktober auch der Telekommunikations-Experte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott im Gespräch mit uns.

Vodafone

Heute in einem Jahr werden die 5G-Netze schon deutlich weiter sein. Bis Ende März will Vodafone die Zahl der Standorte und Antennen verdoppeln. Vodafone will beispielsweise in Berlin von den beiden abgelegenen Standorten in Adlershof und Siemensstadt in die Mitte Berlins und am Flughafen Tegel 20 Stationen bauen. In Düsseldorf folgen bis März 15 Stationen, in Frankfurt zehn.

Telekom

Bei der Telekom plant man, das Netz in 2020 von 450 Antennen auf 1.500 Antennen zu erhöhen. Dann sollen 20 Städte – davon 16 Landeshauptstädte – mit 5G versorgt sein. Auch hier wird es sich aber um keine flächendeckende Versorgung handeln können.

O2

Auch O2 plant für 2020 sein 5G-Netz in Betrieb zu nehmen.Dabei startet der 5G-Ausbau in den fünf größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt und soll dort bis Ende 2021 größtenteils abgeschlossen sein. Bis Ende 2022 sollen 30 Städte – mit insgesamt 16 Millionen Einwohnern – versorgt sein.

1&1

Ob 1&1 schon 2021 mit einem eigenen 5G-Netz startet, darf durchaus bezweifelt werden. Auch ist unklar, ob der Anbieter direkt mit 5G startet oder zunächst auf LTE setzt. Ab 2021 hat man sich zumindest Frequenzen von O2 gemietet.

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6 KOMMENTARE

  1. 5G ist in dr BRD bislang nur ein Witz.
    Und sollte genau das auch bleiben. – Hat schon jemand darüber nachgedacht. dass wir insgesamt in einem sehr sanft arbeitenden Mikrowellen-Ofen leben, der uns überall bis in unsere Wohnungen hinein umgibt?
    5G kann diesen Ofen nur um eine beträchtliche Stufe höher schalten.
    – mlskbh –

  2. Wenn den einfach nur 4G überall gehen würde, wäre das erst mal lange ausreichend. Dann könnten man aus meiner Sicht ruhig auf diesen 5G-Mist verzichten und ihn nur für spezielle Industriestandorte lokal einsetzen.

  3. Die Netzbetreiber schaffen es jetzt nicht mal auf dem Land für eine vernünftige Netzabdeckung zu sorgen. Das wird auch mit 5G auf Jahre nicht besser.

  4. lt. Dirk 24. Dezember 2019 at 17:39
    Die Netzbetreiber schaffen es jetzt nicht mal auf dem Land für eine vernünftige Netzabdeckung zu sorgen. Das wird auch mit 5G auf Jahre nicht besser.

    Ich empfehle
    a.) Suche Dir ein anderer Wohnort oder
    b.) gehe komplet OFF line. Zurück in die 90er ohne INTERNET und Smartphones.
    Gruss Chef vom Dienst.

  5. @Chef vom Dienst:
    lt. Dirk 24. Dezember 2019 at 17:39
    Die Netzbetreiber schaffen es jetzt nicht mal auf dem Land für eine vernünftige Netzabdeckung zu sorgen. Das wird auch mit 5G auf Jahre nicht besser.
    Ich empfehle
    a.) Suche Dir ein anderer Wohnort oder
    b.) gehe komplet OFF line. Zurück in die 90er ohne INTERNET und Smartphones.
    Gruss Chef vom Dienst.

    Warum soll er zurück in die Vergangenheit- Es ist doch so, bevor man was neues anfängt, sollte das „Alte“ beendet sein. So bin ich klar auf Dirk´s Seite. Sinnvoller Überall vernünftig 4G zu schaffen auch auf dem Land, 4G reicht für jeden normalen Verbraucher ausreichend.

  6. Die Menschen informieren sich über YouTube Kanäle wie z.b. die Erde ist flach, 5G ist schädlich, KI ist intelligent, Neue kryptowährung, die da wollen uns kontrollieren. Es verzährt bei unzufrieden Menschen oder unglücklichen Menschen die Wahrnehmung. Deshalb verteufeln sie jede neue Technik. Da hilft leider nix mehr…

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