5G kommt: Verschwinden jetzt die Funklöcher beim Handynetz?

4 Minuten
497 Bieterrunden hat es gedauert und knapp 6,55 Milliarden Euro gekostet: Die 5G-Frequenzen für Deutschland sind versteigert. Wird jetzt alles besser mit den deutschen Handynetzen? Verschwinden Funklöcher und sinken die Preise? Das müssen Kunden jetzt zu 5G wissen.
Eine symbolische 5G-Antenne auf dem Messestand der Telekom

Verschwinden mit 5G die Funklöcher?

Um zu verstehen, was die Netzbetreiber ersteigert haben, hilft ein Blick auf die in Deutschland verwendeten Mobilfunkfrequenzen. Diese liegen aktuell in einem Frequenzbereich zwischen 700 und 2.600 MHz. Dabei gilt: Je kleiner der Megahertz-Wert, desto weiter kann ein Sendemast senden. Oder anders formuliert: Desto größer ist die Reichweite.

Die jetzt versteigerten 5G-Frequenzen liegen bei 3.400 bis 3.600 MHz, sind also in Sachen Reichweite noch viel schlechter als die gängigsten LTE-Frequenzen. Das zeigt schnell: Die Funklöcher auf dem Land wird 5G nicht stopfen. Weitere Frequenzen aus dem Bereich um 2.100 MHz stammen aus der Neuvergabe der heutigen UMTS-Frequenzen. Hier sind auch keine Wunder zu erwarten. Hinzu kommt: Der zum Start eingesetzte 5G-NR-Standard kommt nicht ohne 5G aus.

Welcher Anbieter hat die besten Frequenzen ersteigert?

Das liegt daran, wie man die Strategien der Anbieter betrachtet. Telekom und Vodafone haben jeweils 90 MHz im klassischen 5G-Bereich ersteigert sowie 2 x 20 MHz im bisherigen UMTS-Bereich. Die Telekom hat dafür mit 2,17 Milliarden Euro aber mehr bezahlt als Vodafone mit 1,88 Milliarden Euro. Die Gründe dafür liegen in etwas schlechteren Rahmenbedingungen für die Vodafone-Frequenzen.

O2 und Drillisch haben jeweils 2 x 10 MHz aus dem UMTS-Spektrum und 70 beziehungsweise 50 MHz für 5G ersteigert, zahlen dafür aber auch nur 1,4 beziehungsweise 1,07 Milliarden Euro. Sie haben somit Geld gespart, aber auch weniger Frequenzen ersteigert und können langfristig nur langsamere Datenraten anbieten als Telekom und Vodafone. Das könnte sich auch in Mobilfunk-Netztests entsprechend bemerkbar machen.

Sorgt 5G für eine bessere Sprachqualität?

Nein. 5G ist ein reiner Datenstandard, Telefonie für 5G ist aktuell noch nicht entwickelt. Das war auch bei LTE der Fall, Telefonie über LTE kam erst viele Jahre nach dem Start von LTE. Der Standard hier heißt Voice over LTE oder auch kurz VoLTE.

Startet mit Drillisch beziehungsweise 1&1 bald ein neuer Anbieter?

Es ist richtig, dass Drillisch Netz-Frequenzen ersteigert hat. Dabei handelt es sich um eine Tochter von United Internet. Zu United Internet gehört auch 1&1. Allerdings stehen die ersten ersteigerten Frequenzen frühestens am Neujahrsmorgen im Jahr 2022 zur Verfügung, weitere Frequenzen gar erst 2026. Davor wird der Anbieter nach aktuellem Stand keine eigenen Sendemasten in Betrieb nehmen können.

Ein neuer Anbieter bedeutet mehr Wettbewerb. Sinken mit 5G die Preise?

Angesichts der unerwartet hohen Summe für die Lizenzen ist erst einmal nicht mit einem Preisverfall zu rechnen. Denkbar ist zwar, dass Drillisch zum Netzstart mit Kampfpreisen auf den Markt kommt. Vollkommen offen ist aber, wie gut die Netzabdeckung bei 1&1 Drillisch zum Start sein wird.

Wann kann ich 5G in Deutschland nutzen?

Die drei etablierten Anbieter Telekom, Vodafone und O2 haben derzeit schon Frequenzspektrum, das sich für 5G-Netze eignet. Es ist damit zu rechnen, dass die ersten Anbieter schon bald mit ersten Angeboten in ersten Städten starten. Die Telekom spricht gar von einem Start „in Kürze“. Vodafone will bis 2021 bis zu 20 Millionen Menschen mit 5G versorgen.

Kann ich 5G automatisch nutzen?

Nein, denn die Nutzung von 5G setzt ein 5G-Handy voraus. Offen ist auch, ob sich die Anbieter 5G extra bezahlen lassen oder ob es allen Kunden zur Verfügung steht. Bei der Telekom gibt es die verschiedensten Gedankenspiele zu 5G-Tarifen.

Ist 5G für Privatkunden überhaupt interessant?

Die Mobilfunkanbieter sehen 5G vor allem für Anwendungen in der Industrie oder der Vernetzung. Bei Privatkunden wird es zumindest im ersten Schritt vor allem um die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten für Internet-Verkehr an Traffic-Hotspots gehen. Im nächsten Schritt kommen dann auch VR- und AR-Anwendungen dazu. Mittelfristig sollte der Fokus des normalen Privatkunden aber weiter auf LTE liegen.

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1 KOMMENTAR

  1. Da ist erst einmal viel „Sturm im Wasserglas“.
    Zaubern können auch die Provider nicht. Man denke an den Zeitfaktor und an den Personalmangel. Der wird für „Verzögerungen“ eine gute Ausrede sein.

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