5G-Frequenz-Auktion Tag 2: Niemand will den größten Frequenzblock

5 Minuten
Tag 2 der Frequenzauktion in Mainz ist vorbei, insgesamt 22 Runden abgeschlossen. Doch es gibt ein Frequenzpaket, auf das noch niemand geboten hat. Dabei ist es mit 20 MHz der größte Block.
Ein 5G-Logo von Vodafone an einem Mast
Bildquelle: Vodafone

Die Bedingungen und Hintergründe der derzeit laufenden Frequenzauktion sind nicht einfach zu verstehen. Da gibt es Frequenzen um 2 GHz und 3,6 GHz. Dann gibt es Frequenzen, die erst ab 2026 zur Verfügung stehen. Und Frequenzblöcke, die mal 2×5 MHz, mal 1×10 MHz und mal 1×20 MHz umfassen. Letztlich gibt es auch noch die Bezeichnungen abstrakt und konkret. Zeit, hier konkret zu werden.

Im Rahmen der Auktion kommen insgesamt 41 Frequenzblöcke aus festgelegten Frequenzbereichen unter den Hammer. Dabei bieten die Netzbetreiber entweder auf einen abstrakten oder einen von zwei konkreten Frequenzblöcken. Wer also beispielsweise auf den Block 15A bietet, der bietet nicht auf eine ganz bestimmte Frequenz, sondern nur auf einen Abschnitt aus dem Frequenzbereich um 3,6 MHz.

Was ist konkret und was ist abstrakt?

Das ist vergleichbar mit einem Stück Torte: Wer auf den Block 15A bietet, kann sich nicht das Stück mit der Schoko-Verzierung drauf aussuchen. Die Bundesnetzagentur wird am Ende der Auktion ein großes zusammenhängendes Tortenstück abschneiden und dem Netzbetreiber übergeben. Wenn er Glück hat, ist hier die Verzierung drauf, wenn nicht, hat er Pech gehabt.

Mit den Frequenzen ist es außerdem ein wenig wie bei einem Kuchen, der eine Weile stand: Die Randstücke sind nicht so beliebt. Entsprechend vergibt die Bundesnetzagentur die beiden Frequenzblöcke, die am oberen und unteren Rand des gesamten Spektrums liegen, ganz konkret. Hier weiß derjenige, der darauf bietet, also, was er bekommt. Und dass das Stück der Frequenztorte nicht besonders gut, sondern eher etwas schlechter ist.

Block 01K und 29K sind konkret

Obwohl der Block 01K mit 20 MHz doppelt so groß ist, hat bis zum Ende des zweiten Tages kein Anbieter darauf geboten. Der Grund dürfte sein, dass sich ein großer Teil des Bereiches von 3.400 bis 3.420 in weiten Teilen Deutschlands nicht vernünftig nutzen lässt. Der Grund: Direkt unterhalb von 3.400 MHz befinden sich militärische Frequenzen. Diese sind gemäß Auflagen zu schützen. Es handelt sich zwar nur um eine kleine Zahl von Standorten ortsfester Radare, doch ist um bestehende Radar-Standorte eine Koordinierungszone mit einem Radius von 12 km zu berücksichtigen. Außerdem sind die Sendeleistungen für diese Frequenzen geringer zu halten. Das Mindestgebot für den fraglichen Block ist mit 2 Millionen Euro aktuell nur ein wenig günstiger als die Gebote für die anderen Frequenzblöcke. Die sind nur mit 10 MHz, aber auch weniger Problemen versehen. Daher verzichten die Anbieter wohl noch darauf, zu bieten.

Auch der Block 29K wird konkret vergeben. Der Grund: Er grenzt an jene Frequenzen, die die Industrie bekommen wird. Der Netzbetreiber, der diese Frequenz sein Eigen nennt, muss sich jeweils mit den Industriebetreiben abstimmen. Das erfordert die eingesetzte Technik. Doch es gibt einen Grund, warum dieser Frequenzblock dennoch beliebt ist: Die abstrakt vergebenen Frequenzen werden direkt an den konkreten Frequenzblock angegliedert, wenn die finale Zuordnung ansteht. Würde nun ein Anbieter 29K und neun weitere Frequenzblöcke ersteigern, so wüsste er, dass er den Frequenzbereich 3.600 bis 3.700 MHz erhält.

Damit entgeht der Netzbetreiber einem anderen Problem: Die Frequenzen zwischen 3.410 und 3.594 MHz sind streitbefangen. Dort haben einerseits bereits die Mobilfunker Frequenzen bis Ende 2021, aber auch zahlreiche regionale Anbieter für Breitbanddienste im Einsatz. Sie wollen diese Bereiche nicht abgeben und klagen teilweise gegen den Regulierer.

So lief Tag 2 ab

Der zweite Tag der Auktion verlief deutlich ruhiger ab. Hatte am ersten Tag United Internet (1&1/Drillisch) noch für ein Statement gesorgt, indem direkt im ersten Schwung viel Geld in die Auktion gepumpt wurde, verhielten sich die Anbieter heute ruhiger. In den 14 Runden am Mittwoch kamen „nur“ 54,474 Millionen Euro zusätzlich ins Staatssäckl. Insgesamt bieten die Netzbetreiber jetzt für alle Frequenzen zusammen etwa 387 Millionen Euro.

Besonders teuer sind dabei aktuell die heutigen UMTS-Frequenzen um 2 GHz. Hier ist kein Frequenzblock mehr für unter 8 Millionen zu haben. Zu den teuersten Blöcken gehört mit 26,125 Millionen Euro ausgerechnet ein Frequenzblock, der nur 15 Jahre Laufzeit hat. Das zeigt aber auch, welchen Charakter der derzeitige Zwischenstand hat: Es ist noch alles in der Schwebe und die Auktion wird wohl weder in der ersten und vermutlich auch nicht in der zweiten Woche zu Ende gehen. Was aber auffällt: United Internet zeigt nicht nur an den 5G-Frequenzen, sondern auch an den künftig, wohl für LTE genutzten UMTS-Frequenzen nachhaltiges Interesse.

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1 KOMMENTAR

  1. Knapp 400 Millionen Euro, die dann wieder die Endnutzer mit viel zu hohen Tarifen bezahlen dürfen. Es ist so unsinnig…

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