5G darf nicht mehr als 5 Euro extra kosten

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Bei der Wahl des Mobilfunkanbieters stellen die Verbraucher hohe Ansprüche an die Netzbetreiber. Das wird bei 5G nicht anders sein. Aber dafür mehr zu zahlen, sind die wenigsten bereit. Was ist den Deutschen beim Handynetz am wichtigsten?
Mobilfunk-Standards 3G, 4G, 5G auf einem Tacho
Bildquelle: Adobe Stock

Neun von zehn Nutzern (87 Prozent) ist eine möglichst hohe Netzabdeckung wichtig. Das ergab eine aktuelle repräsentative Bitkom-Umfrage. 78 Prozent ist eine möglichst hohe Surfgeschwindigkeit wichtig. Gleichzeitig wollen 72 Prozent der Befragten möglichst wenig zahlen. Gemäß der Studie achtet nur jeder Dritte (35 Prozent) bei der Netzwahl auf ein Kombiangebot wie Magenta Eins, beispielsweise mit Festnetz- beziehungsweise Fernsehanschluss.

„Jedem muss klar sein, dass es Qualität nicht zum Nulltarif gibt und dass sich für die Netzbetreiber die erheblichen Investitionen in den Netzausbau auch rechnen müssen“, sagt Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter, der gleichzeitig Mitglied des Bitkom-Präsidiums ist.

Die Netzbetreiber sehen sich vor allem in Onlineforen und in sozialen Netzwerken immer wieder mit den Vorwürfen konfrontiert, dass ihre Netze zu schlecht seien. Gleichzeitig erscheinen die Tarife der deutschen Anbieter im Vergleich zu ausländischen Netzen aus Sicht der Nutzer zu teuer. Dass die Konditionen jedoch nur schwer miteinander vergleichbar sind, wird oft übersehen. So ist gerade ein flächendeckendes Netz in Deutschland aufgrund der topographischen Gegebenheiten nur zu einem hohen Preis zu haben. Ein konventioneller Sendemast, der in ländlichen Regionen alle fünf bis zehn Kilometer stehen muss, kostet zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Zudem ersteigern die deutschen Anbieter die Frequenzen für ihre Netze regelmäßig für viele Millionen Euro. In anderen Ländern bekommen die Netzbetreiber diese Lizenzen kostenlos.

5G-Netze: Was die Nutzer gemäß Umfrage erwarten…

Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G, für den im Frühjahr die Frequenzen abermals in einer Versteigerung vergeben werden, verbinden Smartphone-Nutzer gemäß der Studie hohe Erwartungen. 76 Prozent versprechen sich ein besseres Netz ohne Funklöcher. 65 Prozent erwarten höhere Geschwindigkeiten und 63 Prozent weniger Netzausfälle. Dahinter folgen kurze Reaktionszeiten (47 Prozent) und längere Akkulaufzeiten (25 Prozent). 4 Prozent haben hingegen keine besonderen Erwartungen an 5G.

… und was das Netz leisten kann

Tatsächlich wird es unter 5G Anwendungen geben, bei denen die Akku-Laufzeit der Geräte sinkt. Dabei handelt es sich um Internet-of-Things-Anwendungen, etwa für Sensoren. Zwar verspricht Samsung mit dem gerade vorgestellten Samsung Galaxy S10 5G längere Akku-Laufzeiten, doch ist der Akku mit 4.500 mAh auch größer als bei anderen Modellen

Auch wird es bei 5G Netzwerkspezifikationen – auch Network-Slices genannt – geben, mit denen enorm hohe Datenraten möglich sind. So gibt es Gedankenspiele, in einigen Regionen Anschlüsse in Glasfaser-Geschwindigkeit über 5G-Technik zu realisieren.

Weniger Funklöcher sind durch 5G im ersten Schritt nicht zu erwarten. Hier hat unter anderem die Politik falsche Erwartungen geweckt. Die zur Verfügung stehenden Mobilfunkfrequenzen eignen sich nicht für flächendeckende Netze. Allerdings versucht die Bundesnetzagentur mit ihren Auflagen, die Netzbetreiber indirekt dazu zu bewegen, ihre bestehenden Netze zu verbessern, wenn sie 5G-Lizenzen erwerben.

Auch 5G sollte möglichst „nichts kosten“

Die Zahlungsbereitschaft für das erwartete Leistungsplus ist bei den Kunden gemäß Umfrage aber gering. 25 Prozent der Smartphone-Nutzer würde für 5G pro Monat weniger als zehn Euro zusätzlich zahlen, 31 Prozent zehn bis weniger als 20 Euro und nur 2 Prozent 20 bis weniger als 30 Euro. Mit 39 Prozent ist die größte Gruppe nicht bereit, für 5G mehr zu bezahlen. Die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft liegt bei 5 Euro zusätzlich pro Monat. Für den Aufbau der 5G-Netze werden die Netzbetreiber in Deutschland einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag investieren müssen.

Mobiler Datenverkehr wächst rasant

Vor allem der Markt für mobile Daten verspricht auch in Zukunft großes Wachstumspotenzial. Für 2019 prognostiziert Bitkom, dass in Deutschland das Datenvolumen auf 2,95 Milliarden Gigabyte zulegt. 2018 nahmen Mobilfunkdaten um 51 Prozent von 1,39 auf 2,10 Milliarden Gigabyte zu.  Das bestätigt auch O2: Der Netzbetreiber hatte in seinen Geschäftszahlen für 2018 in dieser Woche von einem Wachstum von 49 Prozent in seinem Netz gesprochen.

52 Prozent der Befragen gibt an, dass das gebuchte monatliches Inklusivvolumen nicht ausreiche. „Tarife mit mehr Inklusivvolumen sind unterm Strich oft günstiger, als im laufenden Abrechnungsmonat zusätzliche Kapazität hinzubuchen“, sagt Vodafone-Chef Ametsreiter. Große Akzeptanz gibt es für Tarife, bei denen bestimmte Dienste wie Musik- und Video-Streaming oder Social Media nicht auf das Inklusivvolumen angerechnet werden. Neun von zehn mobilen Internetnutzern befürworten solche Zero-Rating-Tarife. Hiervon gibt es in Deutschland jedoch nur zwei Angebote. Dabei handelt es sich um Stream On von der Telekom und Vodafone Pass von Vodafone.

Alle Hintergrund-Informationen zu 5G

 

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