5G bei 1&1 Drillisch - So geht es jetzt weiter

5 Minuten
United Internet gilt als einer der großen Gewinner der kürzlich beendeten 5G-Frequenzauktion. Das Unternehmen hinter der Kernmarke 1&1 wird in Zukunft in Deutschland ein eigenes 5G-Netz betreiben und sich damit verglichen mit dem aktuell betriebenen Mobilfunk-Geschäft ganz neu aufstellen.
1&1 Headquarter
Bildquelle: United Internet

Bisher basiert das Geschäft von United Internet auf dem deutschen Mobilfunkmarkt auf einem simplen Prinzip. Das Unternehmen kauft sowohl bei Telefónica Deutschland als auch bei Vodafone Deutschland Minuten ein, um diese dann in Form von eigenen Tarifen bei 1&1 oder auch GMX oder Web.de weiterzuverkaufen. Ein eigenes Mobilfunknetz betreibt United Internet hingegen bisher nicht. Das Unternehmen nutzt vielmehr die vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur von Telefónica und Vodafone mit.

United Internet baut eigenes 5G-Netz auf

Das wird sich mit dem Betrieb eines eigenen 5G-Netzes ändern. United Internet betreibt über die Marke 1&1 Drillisch in Zukunft selbst Antennen-Standorte und muss einen Partner finden, der die notwendige Technik für die Basisstationen liefert und wartet. Das könnten zum Beispiel aus Europa Ericsson oder Nokia sein, aber auch chinesische Firmen wie Huawei oder ZTE. Man stehe mit mehreren potenziellen Partnern in Kontakt und werde den oder die für das Unternehmen passenden Partner nach genauer Prüfung auswählen, heißt es dazu aus dem Umfeld von United Internet.

Wichtig auch: United Internet muss für das Netz von 1&1 Drillisch viele, viele passende Standorte für seine 5G-Basisstationen finden. Und genau das könnte mitunter am schwierigsten werden. Denn in immer mehr Gemeinden regt sich Widerstand gegen hohe Mobilfunktürme. Ein Problem, auf das zuletzt auch schon die anderen drei deutschen Netzbetreiber hinwiesen. Die Mobilfunk-Lücken auf dem Land zu schließen, erweist sich auch aufgrund der Blockade-Haltung vieler Gemeinden als schwierig.

United Internet: 5G-Start für Privatkunden aktuell noch kein Thema

Bei 1&1 werkelt man unterdessen im Verborgenen am Start eines eigenen 5G-Netzes. Offiziell will man aber noch keine genauen Wasserstandsmeldungen zum Fortschritt der Planungen abgeben. „Bis 5G für Privatkunden interessant wird, wird es noch einige Zeit dauern“, sagte ein Sprecher des Unternehmens zu inside handy. „Nun, da wir wissen, welche Frequenzen uns für den Netzaufbau genau zur Verfügung stehen, gehen wir in die detaillierte Planung über und suchen geeignete Standorte für unsere ersten 5G-Antennen.“

Es gilt aber als sicher, dass United Internet beziehungsweise 1&1 Drillisch die ersteigerten 3,6-GHz-Frequenzen nutzen, um 5G möglicherweise mit Kampfpreisen zunächst in Ballungsgebieten und Großstädten an den Start zu bringen. Genau dort also, wo viele Menschen leben.

Überall dort, wo noch kein 5G-Netz der 1&1-Mutter betrieben wird, greift nach den Vorstellungen von United Internet ein National Roaming im Netz von Telefónica Deutschland. Denn Konzern-Chef Ralph Dommermuth hat bereits ausführlich dargelegt, vorübergehend in noch nicht in Eigenregie versorgten Regionen auf die Netztechnik von Telefónica Deutschland zugreifen zu wollen. Eine EU-Auflage, die Telefónica Deutschland im Zuge der Fusion mit E-Plus auferlegt wurde, macht genau das bis zum Jahr 2030 möglich.

Verhandlungsgebot: Die Bundesnetzagentur passt auf

Zudem kann sich United Internet auf Hilfe von der Bundesnetzagentur verlassen. Sie hatte bereits klargestellt, dass der Neueinsteiger zu fairen Bedingungen mit den etablierten Netzbetreibern über ein National Roaming verhandeln darf. Oder anders herum ausgedrückt: Telekom, Vodafone und Telefónica dürfen das Interesse des Neueinsteigers nicht einfach so abblocken.

Wer sich nicht an diese Spielregel hält, muss im schlimmsten Fall mit einem von der Bundesnetzagentur festgelegten Bußgeld rechnen. Nach der jüngst abgeschlossenen 5G-Auktion war aber von allen beteiligten Unternehmen zu vernehmen, dass Partnerschaften beim 5G-Netzaufbau alles andere als unrealistische Szenarien seien.

United Internet will verhandeln

Und auch bei United Internet ist man offen für Partnerschaften beim Netzausbau. „Unter fairen Bedingungen können Kooperationen unter den Netzbetreibern eine Win-Win-Situation ergeben, die den Netzausbau nicht nur wirtschaftlicher macht, sondern auch deutlich schneller voranbringt“, so ein Sprecher.

Größtes Problem für 1&1: Die geringe Reichweite der 3,6 GHz-Frequenzen. Es dürfte selbst in Großstädten schwierig werden, ein wirklich flächendeckendes 5G-Netz aufzubauen. Erst ab 2026 stehen dem Neueinsteiger aus dem Westerwald auch ebenfalls ersteigerte Frequenzen im Spektrum um 2,1 GHz zur Verfügung. Sie versprechen eine höhere Reichweite, sind aber auch noch kein Heilmittel.

Langfristig benötigt 1&1 in jedem Fall Frequenzspektrum unterhalb der 1-GHz-Schallmauer. Problem: Wettbewerber wie Telefónica machen sich gerade jetzt dafür stark, genau diese für 1&1 so wichtigen Frequenzen langfristig ohne neue Auktion nutzen zu dürfen, da sie durch die 5G-Auktion finanziell zu stark belastet worden seien. Wie die Bundesregierung mit dieser Forderung umgeht, bleibt abzuwarten.

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Kommentar

Von Hayo Lücke

Mehr Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Darauf freue ich mich schon jetzt; auch wenn es noch eine ganze Weile dauern dürfte, ehe 5G-Tarife von 1&1 zu haben sind.

In jedem Fall aber bleibt festzuhalten: 1&1 hat in den zurückliegenden Jahren nicht nur auf dem Mobilfunk-Markt, sondern auch mit attraktiven DSL-Angeboten bewiesen, den etablierten Kräften am Markt Konkurrenz machen zu können. Und das kann auch mit Blick auf 5G nur von Vorteil für die deutschen Mobilfunkkunden werden.

Gleichzeitig muss ich aber auch warnen. 5G zum Discountpreis wird es in Deutschland vorerst wohl nicht geben - auch nicht von 1&1. Dafür waren die Frequenzen mit 6,55 Milliarden Euro Gesamtkosten einfach zu teuer.

Bildquellen:

  • Konzernzentrale 1&1: United Internet
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Hayo liebt Technik seit vielen Jahren. Bereits 2002, in der Pre-Smartphone-Ära, startete er im Technik-Journalismus durch. Heute ist Hayo nicht nur Feuer und Flamme für die besten Serien bei Prime Video und Sky - ein Netflix-Abo hat er nicht - sondern auch für alles, was mit elektrifiziertem Fahren zu tun hat. Und damit sind nicht nur die ICE- und IC-Züge der Deutschen Bahn gemeint, die er im Pendelverkehr zwischen seiner Heimat Münster und der Redaktion von inside digital vor den Türen Kölns mehrmals wöchentlich besteigt, sondern vor allem auch Elektroautos.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Worte vernehm‘ ich wohl, allein…
    Der „stern“ haute gerade heraus:
    „Deutschlands geplatzter Digital-Traum
    Bis 2018 sollte jeder deutsche Haushalt Highspeed-Internet bekommen – so versprach es die Merkel-Regierung. Jetzt muss die GroKo ihr Scheitern zugeben. Deutschland verliert Digital weiter den Anschluss. Und auch die Hoffnung 5G kann das wohl nicht retten.…“

    Also dürfte es das Klügste sein: „Abwarten und Tee trinken.“
    S21 und BER warte auf weitere Gesellschaft.

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