Interview: "Es scheint, als ginge es bei der 5G-Auktion ums Rausdrängen von 1&1"

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Die 5G-Auktion scheint auf ihre Zielgerade einzubiegen, nachdem sie mittlerweile länger dauert und teurer wird als erwartet. inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki hat dazu am Rande der Anga Com mit dem anerkannten Telekommunikations-Experten, Wirtschaftswissenschaftler und Lehrstuhlinhaber für Technologieplanung an der Uni Duisburg Prof. Dr. Torsten J. Gerpott gesprochen.
Ein Mobilfunksender im ländlichen Raum
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Die 5G-Auktion befindet sich mittlerweile in der elften Woche. Doch warum zieht sich die Frequenzauktion so lange hin? Der TK-Experte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott hat dazu im Interview mit inside handy eine Theorie.

inside handy: Herr Professor Gerpott, die 5G-Auktion scheint ein wenig aus dem Ruder zu laufen. Im Vorfeld gingen alle Experten unisono von 3 bis 5 Milliarden Euro Erlös aus, jetzt ist es schon weitaus mehr.

Gerpott: Ich bin auch überrascht, dass die 5G-Auktion nach über 470 Runden bei über 6,24 Milliarden Euro steht. Ich habe damit nicht gerechnet. Aber insbesondere im 3,6-GHz-Bereich wird weiter verbissen gerungen.

inside handy: Woran liegt das nach Ihrer Ansicht?

Gerpott: Es scheint fast so, als wenn es nur darum ginge, den potenziellen Neueinsteiger 1&1 Drillisch rauszudrängen, koste es, was es wolle. Ob das rational ist, sei dahingestellt.

inside handy: Die Auktion wird gerne kritisiert, insbesondere weil das Geld im Netzausbau besser aufgehoben wäre als für eine Lizenz.

Gerpott: Das unterschreibe ich in dieser Form nicht. Ja sicher, es liegt viel Geld auf dem Tisch. Aber was wäre die Alternative zur Auktion gewesen? Ein Schönheitswettbewerb um die Lizenzen. Der Anbieter, der die schönsten Planungsordner abgibt, bekommt die Lizenzen? Da hätte ein Newcomer kaum eine Chance, was auch nicht gut für den Markt gewesen wäre.

Außerdem sollte man bedenken: Der Mobilfunkmarkt setzt im Jahr 25 Milliarden Euro um. Die Lizenzen laufen 20 Jahre. Das heißt, wir sprechen über 500 Milliarden Euro Umsatz in der Zeit versus aktuell 6,2 Milliarden Euro Lizenzkosten. Ich möchte deswegen in dieses Auktions-Bashing nicht einsteigen. Es ist an den Unternehmen zu entscheiden, wie hoch sie bieten.

TK-Experte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott (links) und inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki auf der Anga Com
TK-Experte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott (links) und Thorsten Neuhetzki auf der Anga ComQuelle: Silviu Guiman

inside handy: Es wird ja inzwischen auch gerne der Vergleich zur UMTS-Auktion im Jahr 2000 gezogen.

Gerpott: Ja, damals wurden insgesamt für weniger Spektrum etwa 50 Milliarden Euro gezahlt. Da haben auch alle gejammert. Doch der 3G-Markt und danach das LTE-Geschäft haben sich gut entwickelt. Deswegen denke ich, dass man zwar kurzfristig von einem kleinen Schock über den hohen Betrag bei der 5G-Auktion sprechen kann, langfristig es aber für die Anbieter darauf ankommt, die Kunden zu begeistern. Dann lassen sich mit den vielen Anwendungsmöglichkeiten von 5G entsprechende Umsätze und Gewinne erzielen.

inside handy: Es geht seit mehreren hundert Runden bei der Auktion nur noch um einen einzelnen Frequenzblock von 10 Megahertz. Können Sie sich das erklären?

Gerpott: Die Frage, warum diese 10 Megahertz so wichtig sind, habe ich mir auch gestellt. Von zwei Ausrüstern wurde mir versichert, dass dieser eine Block am Ende technisch nicht entscheidend ist, um eine vernünftige Netzabdeckung hinzubekommen. Andere Faktoren, wie die Dichte der Sendemasten oder die Menge weiterer Frequenzen, über die ein Anbieter verfügt, sind da mindestens genau so wichtig. Demnach spricht viel dafür, dass das Bietverhalten in erster Linie durch ökonomisch-strategische Ziele bestimmt wird. Ich bin gespannt, wem als Erster das Geld ausgehen, wer als erster höhere Gebote betriebswirtschaftlich für nicht mehr tragbar halten wird.

inside handy: Danke für das Gespräch.

Bildquellen:

  • 5G Symbolbild: T-Mobile Austria
  • TK-Experte Torsten J. Gerpott und inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki auf der Anga Com: Silviu Guiman
1&1 Headquarter
1&1 Drillisch: MVNO-Vertrag mit Telefónica läuft aus
1&1 Drillisch soll der vierte, große Netzbetreiber in Deutschland werden. Nach dem Erfolg bei der 5G-Frequenzauktion ist es aber ziemlich ruhig um den neuen Hoffnungsträger in der deutschen Mobilfunklandschaft geworden. Und noch hat 1&1 Drillisch auch den aktuell gültigen MBA MVNO Vertrag mit Telefónica Deutschland nicht verlängert. Dabei wäre es langsam an der Zeit, eine entsprechende Option zu ziehen.

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