Nachfolger für LTE: Bundesnetzagentur legt 5G-Frequenz-Auflagen fest

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Die Bundesnetzagentur hat ihren Entwurf für die anstehende Versteigerung der 5G-Frequenzen als Nachfolger von 4G vorgelegt. Viele der Auflagen waren schon vor einigen Wochen durch Medienberichte durchgesickert, nun sind sie konkret. Der Beirat wird jetzt über den Entwurf beraten - doch begeistert hat er sich zuletzt nicht gezeigt. Das gilt auch für die Mobilfunk-Unternehmen.
5G Symbolbild
Bildquelle: EU

Wir gehen bei den 5G-Frequenzen an die Grenze des Zumutbaren“, wurde der Chef der Bundesnetzagentur Jochen Homann vom „Handelsblatt“ vor wenigen Wochen zitiert, als er der Zeitung die ersten Informationen zu den Auflagen der anstehenden Frequenzversteigerung machte. Nicht überall machte sich Homann mit dieser gezielten Veröffentlichung Freunde. Selbst hochrangige Manager waren von dem sogenannten Aspektepapier, das der Beirat vorab von der Bundesnetzagentur bekam, überrascht. Nun hat der Regulierer seinen Entscheidungsentwurf komplett öffentlich gemacht. Auf 120 Seiten werden sämtliche Aspekte der geplanten Versteigerung beleuchtet.

„Wir verpflichten jeden Anbieter bis Ende 2022 mindestens 500 Stationen zusätzlich zu den Auflagen für Straßen und Haushalte für 5G aufzubauen. Wir sprechen also beispielsweise bei drei Anbietern von 1.500 Stationen in Deutschland, mit denen der neue Mobilfunkstandard eingeführt werden muss. Außerdem müssen die Anbieter jeweils weitere 500 Masten aufstellen, mit denen sie mindestens 100 Megabit pro Sekunde in ländlichen Regionen die Versorgung verbessern“, erläutert Homann die Kernauflagen für die erfolgreichen Bieter.

National Roaming wird hingegen, wie vermutet, kein verpflichtender Bestandteil. Das sei rechtlich nicht möglich. Der Regulierer öffne aber trotzdem die Tür für Kooperationen der Netzbetreiber in unterversorgten Gebieten. Ob das jedoch reicht, um die Netzbetreiber zu Kooperationen zu bewegen, darf bezweifelt werden. Das gilt auch für die Diensteanbieter: Sie haben kein Anrecht auf die Nutzung der neuen 5G-Netze. Die Bundesnetzagentur setzt daher auf Verhandlungen zwischen den Netzbetreibern und Providern.

Welche Frequenzen werden versteigert?

Vergeben werden Frequenzen aus zwei Frequenzbereichen: 2 GHz und 3,6 GHz. Die Frequenzen um 2 GHz werden bislang von allen drei Netzbetreibern für UMTS genutzt und sind bis Ende 2020 beziehungsweise Ende 2025 befristet. Sie werden jetzt neu vergeben und können von den neuen Lizenznutzern dann entsprechend ab 1. Januar 2021 beziehungsweise 2026 genutzt werden. Ein Frequenzblock von 2 x 5 MHz in diesem Bereich wird bei einer Nutzungsmöglichkeit ab 2021 ein Mindestgebot von 75 Millionen Euro mit sich bringen.

Es wird einen Block von 2 x 10 MHz in diesem Frequenzbereich geben, der in Sachen Lizenzkosten ein Schnäppchen sein soll: Er soll nur mindestens eine Million Euro kosten. Doch wer diesen Block ersteigert, muss viel in den Netzausbau investieren. Für Bundesautobahnen und Bundesstraßen muss er bis zum 31. Dezember 2022 eine vollständige Versorgung mit 100 Mbit/s im Antennensektor sicherstellen.

Ferner kommen insgesamt 400 MHz Spektrum im Bereich um 3,6 GHz zur Vergabe. 100 MHz davon sollen für lokale und regionale Anwendungen ohne Versteigerung vergeben werden. Die restlichen 300 MHz werden zu jeweils 10 MHz versteigert.

Welche Auflagen gibt es außerdem?

Neben den schon erwähnten Auflagen muss ein Bieter bis zum 31. Dezember 2022 eine Abdeckung von mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit einer Übertragungsrate von mindestens 100 Mbit/s im Downlink im Antennensektor erreichen. Für fahrgaststarke Bahnstrecken ist bis zu diesem Datum eine vollständige Versorgung mit einer Übertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s im Antennensektor zu erreichen. Außerdem muss jeder, der Frequenzen im Bereich um 2 GHz ersteigert, 500 Basisstationen mit mindestens 100 Mbit/s in zuvor definierten „weißen Flecken“ in Betrieb nehmen – ebenfalls bis Ende 2022. Je Bundesland ist entsprechend dem flächenmäßigen Anteil am Bundesgebiet auszubauen. Dabei sind pro Jahr mindestens 100 Basisstationen in Betrieb zu nehmen.

Gibt es Neueinsteiger?

Das liegt im Ermessen der jeweiligen Interessenten. Zumindest gibt es auch für Neueinsteiger Versorgungsauflagen. Sie haben einen Versorgungsgrad der Haushalte von mindestens 25 Prozent innerhalb von drei Jahren und mindestens 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren ab Verfügbarkeit der ersteigerten Frequenzen zu erreichen. Nur wenn sie sich privatwirtschaftlich mit anderen Anbietern über ein National Roaming einigen können, haben sie nach Einschätzung von Experten eine Chance, am Markt zu bestehen.

Kann jeder ersteigern, was er möchte?

Ja, jeder Mobilfunkanbieter kann so viele Frequenzblöcke ersteigern, wie er benötigt und bezahlen kann. Es gibt keine Bietbeschränkungen wie bei bisherigen Auktionen.

Gibt es noch mehr Frequenzen für 5G?

Ja, aber erst in einigen Jahren. Ende des Jahres 2025 gibt es weitere Frequenzen – sowohl für mehr Kapazität als auch für eine bessere Flächenversorgung. „Insofern ist die jetzt anstehende Auktion nur ein erster Schritt“, sagt der Regulierer. Dabei geht es um eine Neuvergabe der im Jahre 2025 auslaufenden Frequenzen in den Bereichen 800 MHz, 1,8 GHz und 2,6 GHz. Gleiches gilt für die im Jahre 2033 auslaufenden Zuteilungen in den Frequenzbereichen 700 MHz, 900 MHz, 1,5 GHz und 1,8 GHz. Mit jeweils etwa drei Jahren Vorlaufzeit soll die Neuvergabe dieser Frequenzen samt der damit verbundenen Auflagen angegangen werden.

Dürfen die Mobilfunker gemeinsame Netze aufbauen?

Im Entwurf des Regulierers heißt es dazu: „Infrastruktur-Sharing und National Roaming können einen Beitrag zur besseren Mobilfunkversorgung leisten. Frequenzzuteilungsinhaber können unter Beachtung des Wettbewerbs- und Kartellrechts Kooperationen zum gemeinsamen wirtschaftlichen Netzausbau eingehen.“ Ein solcher Schritt in ländlichen Gebieten zur kosteneffizienten Versorgung sei „wünschenswert“.

Wie reagiert der Markt auf die 5G-Frequenzpläne?

Noch gibt es wenig Reaktionen. Der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa davon, das Papier bräuchte eine Nachbesserung. Vor allem die regionalen Frequenzen sind ihm – wie auch der Telekom – ein Dorn im Auge. Die Netzbetreiber verlieren damit wichtige 5G-Kunden. Denn wenn Fabriken ihre eigenen 5G-Netze errichten können um Maschinen zu steuern, gehen diese Kunden für die Netzbetreiber verloren.

Wie geht es weiter?

Der Beirat der Bundesnetzagentur berät am 24. September über den Entwurf zu den Vergabebedingungen und Auktionsregeln für die 5G-Frequenzauktion. Nach der Beiratsbefassung ist eine Konsultation des Entwurfs mit den Marktteilnehmern geplant. Die endgültige Entscheidung soll im November ergehen. Die Auktion ist im ersten Quartal 2019 in Mainz geplant.

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