Echte TV-Sender in 5G-Netzen sollen für Daten-Entlastung im Mobilfunk sorgen

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5G soll nicht nur das nächste Mobilfunknetz werden, sondern auch das terrestrische Fernsehen mit einbinden. Das zumindest zeichnet sich bei derzeit laufenden Gesprächen und Diskussionsrunden zwischen Mobilfunkern und der ARD ab. Im 5G-Standard ist ein entsprechendes TV-Netz, das mit den Möglichkeiten eines Mobilfunknetzes verbunden ist, vorgesehen. Sowohl für Sender als auch Mobilfunkanbieter hätte das Vorteile. 
Fernsehturm Hamburg
Bildquelle: Media Broadcast

Das WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea haben alleine in der ARD Mediathek nach Angaben von Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer, Direktorin der Produktions- und Technikdirektion des Bayerischen Rundfunks (BR), 2 Millionen Menschen verfolgt. Dadurch ist eine Netzlast von 5,5 TBit/s entstanden. Mit diesem Beispiel machte sie zusammen mit Helwin Lesch, dem Leiter Verbreitung und Controlling des BR diese Woche auf einer Veranstaltung der ARD in Berlin deutlich, warum weiterhin Rundfunksender gebraucht werden, die ein Signal nur einmal ausstrahlen und damit unendlich viele Zuschauer erreichen. Denn der meiste Traffic ist über klassische Breitbandleitungen geflossen: „Die Signallast hätten alle Mobilfunknetze zusammen nicht geschafft“, vermutet Lesch.

Mit dem Start der 5G-Netze in 2020 und der erwarteten Kommerzialisierung einige Jahre später wollen die Rundfunksender ein Teil des 5G-Netzes werden. Entsprechende Gespräche zwischen Mobilfunkanbietern, den Gremien, die die Standards festlegen und der Politik seien weit fortgeschritten. Doch es gebe noch Fragen zu klären.

Versuche, das Fernsehen auf das Handy zubringen, ohne dabei Streaming einzusetzen, hat es in der Vergangenheit bereits viele gegeben. Nach Angaben von Lesch scheiterten diese oft an unterschiedlichen Interessen an den Frequenzen und finanziellen Aspekten. Doch offenbar haben inzwischen auch die Mobilfunkanbieter erkannt, dass es in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann, dass manche Signale nicht für jeden Nutzer einzeln übertragen werden, sondern nur einmal ausgestrahlt werden.

Handy-TV
Bildquelle: Samsung

96 Prozent Flächenabdeckung mit nur 145 Sendestandorten

Mit ihren 145 DVB-T beziehungsweise DVB-T2-Sendern erreiche die ARD eine Flächenabdeckung von 96 Prozent, sagte Lesch. Zum Vergleich: Die Mobilfunkanbieter erreichen mit 48.000 Sendern etwa 94 Prozent Netzabdeckung mit LTE. Der Grund: Neben den unterschiedlichen Frequenzen schaffen sie mit mehr Sendern mehr Kapazität. Das jedoch ist bei einem reinen Sendesignal nicht notwendig.

Doch die Rundfunksender wollen nicht in eine Abhängigkeit der Mobilfunkanbieter geraten. Nach ihrer Vorstellung bleibt das Sendenetz in ihren Händen. Doch es werden 5G-Standards implementiert, die es den Mobilfunkern erlauben, mit einem Rückkanal zum Sendesignal mehr Funktionen anzubieten oder sogar ein Re-Routing beziehungsweise Offloading zu betreiben. Denkbar wäre beispielsweise auch, dass ein Sendesignal zunächst gestreamt wird. Kristallisiert sich aber ein Stream als besonders relevant für viele Zuschauer heraus, wäre denkbar, dass dieses Signal dann als Broadcast-Signal ausgestrahlt wird und die Netze entlastet.

5G-Netze werden für die TV-Sender auch bei der Produktion relevant. Durch die 5G-Netze lassen sich deutlich leichter Daten transportieren, Schalten realisieren und es kann flexibler gearbeitet werden. Schon heute würden die TV-Sender würden zunehmend auf IP-Basis produzieren und auch speichern. Es läge daher nahe, künftig auch auf IP-Basis die Sendesignale an den Zuschauer zu bringen. „DVB-T3 werden wir wohl nicht machen“, sagte Lesch im Hinblick auf die IP-Technik

5G Release 14 beinhaltet bereits TV-Anforderungen

„Wir bringen große Zellen mit“, so der BR-Mann. „Die Frequenzen, wie wir zur Verfügung haben, sind mit deutlich unter 700 MHz nur für Downlink-Signale sinnvoll nutzbar. Es müssen aber offenbar noch eine Reihe regulatorischer aber auch finanzieller Fragen geklärt werden und so adressierte er auch an die Politik, sich dieser Fragen anzunehmen. Dabei geht es neben den Frequenzfragen auch um eine Zusammenarbeit zwischen den Netzen. Schließlich müsste es eine Art National Roaming geben, wenn alle Netzbetreiber auf ein Sendesignal zurückgreifen. Zudem sei wichtig, dass die öffentlich-rechtlichen Sender im Sinne des Gemeinwohls weiterhin Free-to-Air und ohne „Goalkeeper“ von Jedermann empfangen werden können. Durch Zusatzangebote, Pay-TV und mehr ergeben sich für die Mobilfunker aus seiner Sicht dennoch Geschäftsmodelle.

Ob und wann eine solche TV-Übertragungen auf dem Handy möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Dadurch, dass das Standardisierungsgremium 3GGP die Anforderungen aber bereits in den 5G Release 14 aufgenommen hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Service kommt und die Weltmeisterschaft 2026 auf dem Handy geschaut werden kann ohne dass die Netze zusammenbrechen, zumindest deutlich gestiegen. Die WM 2022 hingegen dürfte dafür noch zu früh sein. Dass die Anforderungen im Release aufgenommen wurden, ist übrigens nach Einschätzung der Branchenexperten darauf zurückzuführen, dass Deutschland bei der Entwicklung von 5G sehr viel Forschungsarbeit betreibt und entsprechend als weltweiter Vorreiter gilt.

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