VDSL 250: So viel Geld will die Telekom von ihren Mitbewerbern

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Die Telekom wird ab August die ersten VDSL-Anschlüsse mit 250 MBit/s schalten. Auch die DSL-Wettbewerber wie 1&1 können diese Leitungen einkaufen und ihren Kunden anbieten. Jetzt sind die Preise dafür bekanntgeworden, die die Telekom berechnen will. Einkaufspreise von bis zu 33 Euro lassen nichts Gutes für den Endkundenpreis vermuten. Jetzt ist die Bundesnetzagentur am Zug.
VDSL bringt Kunden mehr Geschwindigkeit
Bildquelle: Telekom

Generell vermarkten alle DSL-Anbieter, die kein eigenes Netz legen, die Leitungen der Telekom (und anderer Anbieter) unter eigenem Namen. Zu den größten Anbietern, die auf diesem Weg Kunden ins DSL-Netz bringen, gehören O2 und 1&1, aber auch Stadtnetzbetreiber, die in den Gebieten, in denen sie nicht selber ausgebaut haben, die Telekom-Vorleistungen einkaufen (Wholsale/Wholebuy). Mit dem Start der neuen Telekom-Tarife mit Datenraten von 175 bzw. 250 MBit/s bietet die Telekom auch ihren Wettbewerbern Vorleistungstarife hierfür an. Als ehemaliger Monopolist ist sie dazu verpflichtet. So haben auch 1&1 und o2 die Möglichkeit, Anschlüsse mit 250 MBit/s zu verkaufen – überall dort, wo die Telekom ihr Netz ausgebaut hat. 

Das sind die Vorleistungspreise für VDSL 175 und 250

Die Preise, die die Telekom von den Wettbewerbern verlangen kann, unterliegen einer ex-ante Genehmigungspflicht. Das heißt, die Telekom beantragt die Entgelte. Die Bundesnetzagentur muss sie aber genehmigen, bevor sie in Kraft treten können. Für einen Anschluss mit 175 MBit/s im Downstream will die Telekom ihren Wettbewerbern monatlich 24,64 Euro netto (29,32 Euro brutto) berechnen. Bei 250 MBit/s sind es 27,74 Euro (33,01 Euro brutto) monatlich. Dritt-Anbieter, die mit der Telekom einen Rahmenvertrag abschließen und bestimmte Mindestabnahmezahlen garantieren, bekommen nach Vorstellung der Telekom Rabatte. Die Preise pro Monat sinken dadurch auf 19,84 Euro bzw. 22,94 Euro netto (23,61 bzw, 27,30 Euro brutto). Einen solchen Rahmenvertrag (Kontingentmodell) haben beispielsweise O2 und 1&1 abgeschlossen.

Zusätzliche Kosten bei Powerusern im Netz

In den oben genannten Telekom-Vorleistungspreisen sind noch nicht alle Kosten enthalten. Führt ein Anbieter ein Up- oder Downgrade seiner Kunden durch, so können dafür 44,38 Euro netto entstehen. Auch für den übertragenen Datentraffic der Verbraucher müssen die DSL-Anbieter zusätzlich an die Telekom zahlen – zumindest dann, wenn die Leitung viel genutzt wird. Ausschlaggeben dafür ist unter anderem, wie hoch die Datenmenge im Netz zur Hauptverkehrsstunde (in der Regel abends) ist. In den von der Telekom beantragten Tarifen sind pro Kunde in dieser „busy hour“ 10,73 MBit/s bei VDSL 175 und 14,16 MBit/s bei VDSL 250 enthalten. Je weiteres 1 MBit/s fallen weitere 70 Cent an. Wichtig: Es geht dabei nicht um einen einzelnen Anschluss, sondern um die Kapazität im sogenannten Transportnetz, also dem Glasfasernetz hinter den grauen Kästen auf den Straßen, aus denen das VDSL-Signal kommt.

Endkundenpreis für VDSL 250 wohl nicht unter 40 Euro möglich

Für Verbraucher bedeutet das, dass DSL-Anbieter einen 250-MBit/s-Anschluss keinesfalls für weniger als 27,30 Euro monatlich anbieten können. Denn dieser Betrag fließt komplett an die Telekom. Ein DSL-Wiederverkäufer hat aber auch noch weitere Kosten wie die Erhöhung des inkludierten Verkehrs sowie die für das eigene Personal, Marketing, Buchhaltung und mehr. Es ist davon auszugehen, dass ein VDSL-Anschluss mit 250 MBit/s nicht für unter 40 Euro monatlich im Markt zu finden sein wird. Zum Vergleich 1&1 berechnet für seinen 100-MBit/s-Tarif derzeit jenseits von Neukunden-Promotion-Preisen 34,99 Euro. Die Telekom selbst berechnet ihren eigenen Endkunden wie von inside handy berichtet knapp 55 Euro monatlich, stattet die Leitung aber auch zusätzlich mit einer Allnet-Flatrate für die Telefonie aus.

Eine Entscheidung über die beantragten Kosten durch die Bundesnetzagentur ist für Juli zu erwarten. Danach  dürften dann auch erste Angebote von Wettbewerbern zu sehen sein, die 250-MBit/s-Leitungen vermarkten. Wer also nicht gleich zum Marktstart von VDSL 250 einen Anschluss haben möchte, sollte möglicherweise noch bis zum Spätsommer mit einer Bestellung warten. Auf die Schaltung von Anschlüssen im Kabelnetz hat dieses Verfahren keine Auswirkungen.

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