Glasfaser vs. Kabel: Was ist der richtige Weg?

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Glasfaser oder Kabel – das war die Frage einer Diskussionsrunde auf der Anga Com. Obwohl die Runde von Unitymedia veranstaltet wurde, nahmen neben dem Mitbewerber Deutsche Glasfaser mit Prof. Torsten J. Gerpott und inside handy Redakteur Thorsten Neuhetzki auch unabhängige Breitband-Experten teil. Wenig überraschend waren nicht alle immer einer Meinung.
Podiumsdiskussion auf der Anga Com
Bildquelle: inside handy

In einem waren sich alle einig: Es ist wichtig, Glasfaser-Infrastrukturen auszubauen. Doch kein Anbieter und keine Technologie ist das alleinige Mittel bei der Umsetzung der Versorgung Deutschlands mit schnellem Internet. Bis 2025 soll nach Vorstellung der Bundesregierung jeder Haushalt in Deutschland Zugriff auf Gigabit-Netze haben.

Shared Medium: Notwendiges Übel oder sinnvoller Weg?

Für Kabelnetzbetreiber Unitymedia, vertreten durch Wolf Osthaus, Senior Vice President Regulatory & Public Policy, ist das kein Problem. „DOCSIS 3.1 kann 1 GBit/s liefern, bald werden sogar 10 GBit/s möglich sein – und das in beide Richtungen.“ Kritik von inside handy Redakteur Neuhetzki, dass die Kabelnetze aber häufig in den Abendstunden überlastet sind, wenn die Netze nicht rechtzeitig ausgebaut werden, ließ Osthaus nicht gelten. „Wir werden alles daransetzen, dass die Geschwindigkeit beim Kunden auch ankommt“, sagte er. Der Flaschenhals sei nicht so eng, wie oft gesagt wird.

Christof Sommerberg, Leiter Public Affairs bei der Deutschen Glasfaser, kennt diese Probleme nur bedingt. Sein Unternehmen baut direkt Glasfasernetze bis zum Kunden auf. Allerdings: Auch GPON-Netze, wie sie beim Glasfaserausbau in der Regel aufgebaut werden, können überlastet sein. Die Deutsche Glasfaser baut vor allem in ländlichen Regionen aus und vermarktet die Netze direkt. Sie werden aber auch für Drittanbieter geöffnet. Bemerkenswert ist, dass die Deutsche Glasfaser auf einen eigenwirtschaftlichen Ausbau setzt. „Dadurch können wir schneller ausbauen, weil wir nicht die ganze Förder-Bürokratie im Vor- und Nachgang haben“, so Sommerberg. Es werde aber Gebiete geben, wo nicht ohne Förderung ausgebaut werden kann.

Stand heute brauchen nur wenige Nutzer 1 GBit/s

Doch wer benötigt überhaupt die Datenraten von 1 GBit/s, die jetzt proklamiert werden? Eine Frage, die nicht nur inside handy bereits in einem ausführlichen Artikel analysiert hat. Auch Prof. Torsten J. Gerpott sieht diese Geschwindigkeit derzeit nur für Heavy-User als interessant an. Künftig seien aber durchaus Anwendungen denkbar, die noch höhere Datenraten benötigen. „Vor 20 Jahren hat sich auch keiner vorstellen können, dass wir alle jederzeit in ein Smartphone starren, um nichts zu verpassen.“ Glasfaser habe das Potential, eine Investition in die Zukunft zu sein. Doch davon sei man noch weit weg. DSL habe einen Marktanteil von 75 Prozent und das Kupferkabel liege nahezu in allen Haushalten. Lediglich im Neubau wird es nicht mehr regelmäßig verlegt.

Alles eine Frage des Upstreams?

Unterschiedliche Ansichten zwischen Netzbetreiber und unanhängigen Marktbeobachter gab es auch zum Thema Upstream. „Die Menge der verbrauchten Daten zeigt, dass unsere Nutzer keinen höheren Upstream nutzen würden“, so Wolf Osthaus. „Würden wir einen höheren Upstream in unseren Netzen anbieten, was technisch möglich ist, würden wir die Kapazitäten im Netz uneffizient nutzen“, so der Kabel-Manager. Dem widersprach Marktbeobachter Neuhetzki von inside handy: „Unsere Leser spiegeln uns ein anderes Bild wider. Wann immer wir die Kabelnetzbetreiber zitieren, dass die Kunden nicht mehr Upstream benötigen, gibt es wehemente Widersprüche aus der Leserschaft.“ Sommerfeld pflichtete dem bedingt bei: „Wenn man den Nutzern höhere Datenraten anbietet, werden diese auch genutzt.“

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