Chatbots sind die neuen Apps

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"Ich kenne niemanden, der gerne bei einer Firma anruft," sagt Mark Zuckerberg, "und die Leute wollen nicht für jede Firma eine eigene App installieren." Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 stellte der Unternehmensgründer deshalb seine Lösung für dieses Problem vor. Diese befindet sich bereits auf Millionen von Smartphones und heißt Messenger.
Facebook Messenger mit 900 Millionen aktiven Nutzern
Bildquelle: Facebook

Nur wenige Tage nachdem Facebook verkündete, mit dem Messenger die 900-Millionen-Nutzer-Marke geknackt zu haben, holt das Software-Unternehmen aus Menlo Park zum Großangriff aus und möchte den Messenger zum wahren Alleskönner machen. Egal, ob ein Taxi oder eine Pizza geordert werden soll, es ein Problem mit der Spülmaschine gibt oder ein Flugticket gebucht werden soll – clevere Chatbots im Facebook Messenger sollen eine Vielzahl von Apps ersetzen, die bisher einzeln installiert werden mussten um vielleicht nur einmal gebraucht zu werden.

Bereits im letzten Jahr war der Messenger der Star auf der F8-Konferenz, damals zeigte Facebook, wie Geschäfte den Messenger für sich nutzen können. Auch Add-in-Apps, welche die Kommunikationsmöglichkeiten des Messengers erweitern wurden 2015 vorgestellt. In den USA ist mittlerweile auch das Überweisen von Geld über den Messenger möglich. Doch während viele dieser Kommunikationsmöglichkeiten noch von Mensch zu Mensch funktionieren, geht Facebook nun einen Schritt weiter. Bereits im letzten Jahr wagte man mit dem persönlichen Assistenten M einen Vorstoß in Richtung Künstliche Intelligenz. Was dort die Software nicht schafft, müssen allerdings wieder Menschen übernehmen. Die nun gezeigten Bots gehen diesen Weg jedoch konsequent weiter und erweitern den Funktionsumfang abermals.

China macht es vor

Im Reich der Mitte ist man schon etwas weiter. Zwar heißt der Dienstanbieter dort nicht Facebook, sondern Tencent, doch die Chinesen nutzen die Chatsoftware WeChat dort bereits, um ihren Alltag zu organisieren. 90 Prozent aller chinesischen Smartphone-Besitzer haben einen Account bei dem Dienst, der – neben der privaten Kommunikation natürlich – auch Zug-, Flug- und Kinotickets bucht, Restaurant-, Strom- und Gasrechnungen begleicht oder einfach das Mobilfunkguthaben auflädt.

Schnittstelle für Bots wurde geöffnet

Herzstück der Bot-Schnittstelle im Messenger ist die Send-/Receive-API, mit der sich programmatisch Nachrichten über das Nachrichtennetzwerk versenden und empfangen lassen. Dies kann nicht nur Text sein, auch Bilder und andere Medientypen lassen sich übertragen. Mit der Bot Engine sollen sich Bots entwickeln lassen, die über künstliche Intelligenz verfügen und so natürliche Sprache verstehen sollen. Überdies soll die Software lernfähig sein.

„Bots sind die neuen Apps“

Nicht nur Facebook hat die Zeichen der Zeit erkannt. Auch Microsoft setzt in diesem Jahr voll auf Bots, wie auf der Build-Entwicklerkonferenz zu sehen war. Neben einer eigenen Chatbot-Plattform hat der Windows-Konzern Bots zu einem integralen Bestandteil seiner Strategie gemacht, und kam Facebook mit dieser Ankündigung so nur wenige Tage zuvor. Konzernchef Satya Nadella sagte kürzlich sogar, dass Bots die neuen Apps sind.

Warum das so ist, liegt auf der Hand: Wer auf allen Plattformen präsent sein möchte braucht verschiedene Apps für verschiedene Betriebssysteme. Oftmals kommen hier nur Android und iOS zum Zuge, denn die Entwicklung einer App ist zeitaufwändig und damit teuer. Nischensysteme wie Windows 10 Mobile oder Ubuntu fallen bei der App-Planung oftmals hintenüber.

Ein Chatbot hingegen kann einmal entwickelt werden und läuft dann unabhängig vom verwendeten Smartphone-Betriebssystem. Auch Displaygröße und Hardwareausstattung des Smartphones können ignoriert werden. Um diese Dinge kümmert sich Facebook.

Wenn die Vorhersagen der großen Firmen stimmen, steht Bots eine große Zukunft bevor. Auch WhatsApp – ebenfalls ein Teil von Facebook – mischt hier bereits mit, wenn auch nicht offiziell. Doch man kann über den Dienst bereits Taxis bestellen – wenn auch nicht in allen Teilen Deutschlands.

Damit sich Bots in Deutschland durchsetzen, müssten diese aber Deutsch verstehen. Ob die US-Konzerne das bedacht haben und in welchem Zeitrahmen die Lokalisierung der künstlichen Intelligenz durchgeführt wird, bleibt erst einmal abzuwarten.

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