Kein Handy am Steuer: Kampagne soll Autofahrern die Augen öffnen

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BMW ConnectedDrive
Bildquelle: BMW

Ein Anruf, eine SMS, Facebook oder der Live-Ticker der Bundesliga – alles Dinge, die man ohne große Bedenken in jeder Sekunde auf seinem Smartphone nachsehen kann. Ist man allerdings mit dem Auto unterwegs, gestaltet sich das als schwierig und erweist sich in erster Linie als unfallgefährdend. Deswegen soll die neue Kampagne ''Be smart! Hände ans Steuer – Augen auf die Straße'' einen weiteren Versuch zur Aufklärung starten.

Fast jeder Autofahrer ist wohl schon mal in die Situation geraten, während dem Autofahren doch an das Handy zu gehen und die Straße vor sich in diesem Augenblick zu vernachlässigen. Schnell eine Nachricht beantworten, einen Anruf ohne Freisprechanlage entgegen nehmen – schließlich ist die Ampel gerade rot. Immer häufiger geschehen Verkehrsunfälle, dessen Gründe im Verborgenen bleiben. Doch mittlerweile ordnet die Polizei viele der Unfälle der intensiven Handynutzung am Steuer zu.

Um Autofahrer in einem neuen Versuch wach zu rütteln und vor den Gefahren zu warnen, startet die neue Kampagne “Be smart! Hände ans Steuer – Augen auf die Straße“, bei der der Münchner Mobilclub Mobil in Deutschland e.V. und der TÜV Süd AG federführend sind. Auch die Politik ist stellvertretend durch den Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt, in das Projekt involviert. Weitere Unterstützer sind ESSO, die Mediengruppe RTL, die deutsche Automobilindustrie VDA, Sortimo und Volkswagen.

Eine Nachricht lenkt fünf Sekunden komplett ab

Um einen Eindruck zu erlangen, wie die deutschen Autofahrer ihr Smartphone hinterm Steuer nutzen, hat die Kampagne eine Online-Umfrage unter der Frage “Hand aufs Herz, wie nutzt Du Dein Smartphone am Steuer?“ geschaltet, an der mehr als 2.000 Autofahrer teilnahmen. Die Ergebnisse sind im Grunde nicht überraschend: 77,1 Prozent gaben an, ihr mobiles Endgerät während der Fahrt zu nutzen, davon über 50 Prozent sehr oft oder ab und zu.

Die Ablenkung erfolgt in 16,4 Prozent der Fälle durch WhatsApp, gefolgt vom Navi mit 13,5 Prozent. Auch für Telefonate (10,5 Prozent) und SMS (9 Prozent) greifen Autofahrer des Öfteren zum Handy, während Facebook, andere Entertainment-Inhalte oder die Kamera für Selfies immerhin noch zwischen 8,7 und 7,7 Prozent lockt. Dadurch haben viele der Befragten in ihrer Karriere als Autofahrer ihre Augen erst dann wieder auf die Straße gerichtet, als sie sich bereits in einer brenzligen Situation befanden – in Zahlen sind das rund 29 Prozent. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass das Schreiben einer SMS den Fahrer fünf Sekunden lang komplett ablenkt. Das entspricht dem gleichen Fahrverhalten wie bei 0,8 Promille Alkohol im Blut.

In den USA sieht es derweil nicht anders aus, wie eine Umfrage des Mobilfunkanbieters AT&T ergab. Insgesamt gab es im Jahr 2012 rund 400.000 Verletzte und 3.300 Tote im Straßenverkehr durch Ablenkung am Steuer. Heruntergebrochen auf die deutsche Situation ergeben das im Jahr 100.000 Verletzte und 750 Tote, so die Kampagne.

Aufklärung ist wichtig

Wie die Kampagne beschreibt, haben die Deutschen zwei “liebste Kinder“: Das Auto und das Smartphone. Aktuell nennen 46 Millionen Deutsche ein Smartphone ihr Eigen, PKW-Zulassungen gibt es 45 Millionen, sodass die sich daraus ergebene Schnittmenge riesig sein soll. Aufklärung ist wichtig, damit die zwei liebsten Kinder am Ende nicht mehr zwei Gegenstände, sondern vielmehr das eigene Leben und die Mitfahrer und Mitmenschen im Verkehr sein sollten. Geldstrafen und Punkte sollen bereits jetzt gegen die Handynutzung am Steuer wirken. Doch das alleine hilft nicht. AT&T hat Geld investiert und Schockvideos in Umlauf gebracht, hierzulande soll die Kampagne für mindestens 5 Jahre die Augen öffnen und ein neues Bewusstsein schaffen.

Immer mehr Autohersteller integrieren in ihre fahrbaren Untersätze angemessene Lösungen, um das Smartphone auch im Auto sicher nutzen zu können. Generell gelten der Kampagne zufolge aber folgende Richtlinien, um Unfälle zu vermeiden:

  • Das Smartphone immer in einer fest eingebauten Halterung unterbringen
  • Nur mit einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung telefonieren. Gibt’s für jedes Handy als Zubehör zum Nachrüsten
  • Beim Neuwagenkauf: Auf „full connected“ Funktionen achten
  • Geeignete Apps downloaden, die Online-Funktionen während der Fahrt deaktivieren
  • Auf keinen Fall E-Mails, Whatsapp, Facebook oder ähnliche Funktionen während der Fahrt mit dem Handy in der Hand nutzen
  • Zur Not vom Beifahrer vorlesen lassen
  • Das Smartphone ganz verbannen, wenn es nicht anders geht. In den Kofferraum oder in die Tasche auf dem Rücksitz

Quelle: TÜV Süd

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