Lenovo versteckt innere Schwächen hinter einem innovativen Design

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Lenovo Yoga Tablet 10
Bildquelle: inside-digital

Verarbeitung & Design

Bereits auf den ersten Blick kommt das Lenovo-Tablet durch seine Aluminiumverarbeitung auf der Vorderseite sehr hochwertig daher. Ein Detail fällt hierbei sofort ins Auge: Der zylinderförmige Griff in dem der Akku und ein ausklappbarer Standfuß untergebracht sind. Somit lässt sich das Tablet schnell und bequem vom Halten-Modus in den Stand- oder Liege-Modus umbauen. Dieses Multimodus-Design ist durchaus mal eine ganz andere Herangehensweise. Andere Hersteller wie etwa Apple bringen ihr Tablet mit einem Smart-Case in verschiedene Positionen. Beim Lenovo Yoga ist diese Möglichkeit schon im Tablet selbst integriert. Sowohl liegend als auch stehend wirkt das Tablet dabei mit dem ausgeklapptem Standfuß nicht wackelig und bietet somit einen deutlichen Mehrwert zu anderen Tablets, insbesondere wenn man das Tablet viel zum Schauen von Videos oder Filmen nutzt.

Der Slot für die Micro-SD-Karte befindet sich hinter dem ausklappbaren Standfuß und ist sehr einfach zugänglich. Insgesamt misst das Tablet 261 x 181 x 8,1 Millimeter, ohne die Höhe des Rückgrats und entspricht somit in etwa den Maßen anderer 10-Zoll-Tablets wie dem Nexus 10.

Lenovo Yoga Tablet 10: Hands-On-Bilder

Jedoch ist das Lenovo Tablet mit über 600 Gramm recht schwer. Dies macht sich besonders im klassischen Handgebrauch bemerkbar. Der Akkuzylinder ist nun nicht nur nützlich, sondern auch der schwerste Part des Tablets. Dabei soll das Design eigentlich an ein halbseitig eingerolltes Magazin erinnern, welches in diesem Fall jedoch äußerst dicke und schwer wäre.

Einschalten lässt sich das Tablet über den auf der linken Seite am Zylinder angebrachten Power-Knopf, in dem auch das Benachrichtigungs- und Akkulicht integriert ist. Auf der rechten Seite des Zylinders befindet sich der Kopfhörerausgang. Die Lautstärkenwippe befindet sich ebenfalls auf der rechten Seite des Tablets.

Die Rückseite aus silbernem Polycarbonat ist ganz fein angeraut und fühlt sich sehr angenehm und hochwertig an. Von der gesamten Verarbeitung her ist das Lenovo Yoga durchaus in der Oberklasse der Tablets einzuordnen. Das zylinderförmige Design ist natürlich Geschmackssache, bietet jedoch praktische Positioniermöglichkeiten im Alltag und das ohne zusätzliches Zubehör.

Lenovo hat mit dem Yoga Tablet ein hochwertig verarbeitetes Tablet auf den Markt gebracht, das mit seinem integrierten Standfuß durchaus überzeugen kann. Allerdings lagert das Gewicht nahezu vollständig im zylinderförmigen Akkugehäuse und die rund 600 Gramm können im Dauergebrauch sehr schwer werden. Somit gibt es einen Punkt Abzug.

Wertung: 4/5

Display

Eindeutiger Knackpunkt des Tablets ist das 10-Zoll-IPS-Display. Es löst mit 1.280 x 800 Pixeln und einer Pixeldichte von 150ppi nicht in Full-HD auf. Zwar liefert das Yoga Tablet ein helles, farbenreiches und auch kontrastreiches Bild; allerdings bemerkt man recht schnell, dass es bei dem ein oder anderem Bild an Pixeldichte fehlt. Generell sind durch die geringe Pixeldichte von 150 ppi die Schriften etwas unruhig und ausgefranst. Zum Vergleich: das iPad Air hat 264 ppi, das aktuelle Google Nexus 7 gar 323 ppi. Mit einer sehr hohen Blickwinkelstabilität kann das Yoga Tablet wiederum punkten. Auch im Sonnenlicht war der Bildschirminhalt noch deutlich zu erkennen.

Für die verschiedenen Standmodi hat Lenovo auch drei verschiedene Bildschirmmodi entwickelt. Diese unterscheiden sich in der Farbtemperatur und Konfiguration der Stereolautsprecher. Klingt zunächst sehr vielversprechend, jedoch überrascht vor allem der eigentlich am meisten verwendete Handmodus mit einem zwar warmen, aber unangenehmen Rotstich, der vermutlich für das Lesen entwickelt worden ist. Am natürlichsten kommt die Farbtemperatur noch im Standmodus daher, da auch im Kippmodus die Farbtemperatur stark ins bläuliche tendiert.

Hat man einmal ein Smartphone oder Tablet mit einer fast doppelt so hohen Pixeldichte in der Hand gehabt, wird man nur ungern zu dem Yoga Tablet greifen. Mit einer Pixeldiche von gerade einmal 150 ppi ist die Auflösung für ein 10 Zoll Tablet definitiv zu gering. An dieser Stelle ist vielleicht eher die 8-Zoll-Variante des Yoga Tablets zu empfehlen, die die gleiche Auflösung aber bei kleinerer Displaygröße bietet. Außerdem sind die voreingestellten Bildschirmmodi in ihrer Farbtemperatur etwas unnatürlich. Daher zwei Minuspunkte.

Wertung: 3/5

Ausstattung und Leistung

Als Prozessor kommt beim Yoga Tablet eine Quad-Core-CPU von MediaTek zum Einsatz, deren Kerne mit je 1,2 Ghz takten. Der Arbeitsspeicher umfasst 1 GB. Somit ist im Yoga zwar keiner der aktuellen Top-Prozessoren eingebaut, jedoch macht sich dies im Alltagsgebrauch beim Öffnen von Programmen, Multitasking oder Web-Surfen kaum bemerkbar. Das Tablet arbeitet ohne größere Verzögerungen. Leistungsstarke 3D-Spiele wie das GT Racing 2 bringen das Yoga Pad allerdings an seine Grenzen. Zwar läd das Spiel zügig und auch während des Rennens kommt es ohne Ruckler daher, jedoch muss man grafisch einige Abstriche machen. Nach einer halben Stunde Spielen war lediglich der Akkuzylinder ganz leicht angewärmt.

Im AnTuTu-Benchmark-Test lässt sich der etwas schwache Prozessor jedoch nicht verbergen. Auf etwas ernüchternde 13.423 Punkte kommt das Lenovo Yoga Tablet und reiht sich mit diesem Testergebnis hinter dem Nexus 4 und dem HTC One X ein. Das parallel in der Redaktion getestete und gleich teure LG G Pad 8.3 erreicht im AnTuTu-Benchmark-Test immerhin 25.721 Punkte und schneidet ähnlich wie das leistungsstarke Samsung Galaxy S4 ab.

Der interne Speicher beläuft sich auf 16 GB. Hiervon stehen dem Nutzer knapp 13 GB zur Verfügung. Wem dies nicht ausreicht, kann den Speicher per Micro-SD-Karte um bis zu 64 GB erweitern. Zudem ist das Yoga Tablet für rund 50 Euro mehr auch in einer Mobilfunk-Variante erhältlich.

Weitere Ausstattung:

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+   Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE   X Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG  X    Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA X   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC    X Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast    Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL   X Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Slimport   X  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung    X  Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   4.0
WLAN-Standards X   802.11 b/g/n

Ausstattungsmäßig verfügt das Tablet somit über die wichtigsten Merkmale, wenn auch ein Micro-HDMI-Anschluss noch schön gewesen wäre. Insgesamt ist die Ausstattung eher auf einem mittelmäßigen Niveau innerhalb der Preisklasse von rund 300 Euro. Daher gibt es 1,5 Punkte Abzug.

Wertung: 3,5/5

Kamera

Bei den ersten Testfotos mit der 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite herrschte nur tiefe Dunkelheit. Denn die Kamera ist auf der linken Rückseite des Akkuzylinders angebracht und somit verdeckt die eigene Hand die Kamera automatisch wenn man das Tablet, wie vorgesehen an den unteren Ecken am Zylinder festhält. Dies ist etwas nervig wenn man das Tablet tatsächlich öfter zum Fotografieren benötigt, da man so jedes Mal erst dazu gezwungen ist, das Tablet um 180 Grad zu drehen, damit die Kamera nicht von der Hand verdeckt wird. Ein schneller Schnappschuss ist somit nicht möglich.

Hat man die Kamera dann von der Hand befreit und aufnahmebereit gemacht, enttäuschen vor allem die Fotos, die in Innenräumen aufgenommen worden sind. Ist der Raum nicht sehr hell ausgeleuchtet, kommt es zu einem starken Farbrauschen und Körnigkeit. Leuchtet man hingegen den Raum mit Kunstlicht aus, erhält das Bild einen deutlichen Rotstich bei gleicher Unschärfe in den Details. Bei den Außenaufnahmen schneidet die Kamera etwas besser ab. Insbesondere die Nahaufnahmen kommen für eine 5-Megapixel-Tablet-Kamera in ihren Farben sehr naturgetreu daher. Leider ist das Bild in den Details sehr unscharf. Bei den Landschaftsaufnahmen fällt auf, dass das Bild nicht besonders detailreich und stellenweise überbelichtet ist. In den helleren Bildbereichen wirkt es verwaschen.

Lenovo Yoga 10 Tablet: Kamera-Testbilder

An die ersten Videoaufnahmen mit den ersten Kamera-Handys hingegen erinnert die Qualität der mit der Rückkamera aufgenommen Videos: Völlig verpixelt und Details, ja selbst Gesichter, sind schwer zu erkennen. Von einer Full-HD-Aufnahme kann man da etwas mehr erwarten.

Die Kamera-App bietet hingegen eine recht große Auswahl an verschiedenen Aufnahmemodi. Es kann zwischen Panorama- und HDR-Aufnahmen oder auch zwischen einer automatischen Szenenerkennung und einer Lächel-Automatik ausgewählt werden.

Zu der 1,6 Megapixel-Kamera auf der Frontseite gibt es nicht viel zu sagen, außer dass sie ihren Zweck erfüllt und für Video-Chats völlig ausreichend ist.

Auch wenn man bei einer Tablet-Kamera nicht so hart ins Gericht gehen sollte, so gibt es doch durchaus bessere 5-Megapixel-Kameras. Insbesondere in den Details, den Innenaufnahmen und bei den Videoaufnahmen enttäuschte die Kamera. Daher zwei Minuspunkte.

Wertung: 3/5

Software und Multimedia

Als Betriebssystem ist Android 4.2.2 Jelly Bean installiert, das von Lenovo angepasst wurde. Dies macht sich vor allem hinsichtlich der App-Anordnung und des Benachrichtigungsfensters bemerkbar. Apps werden ähnlich wie bei iOS einzeln auf dem Home-Screen gelistet und wurden von Lenovo etwas vergrößert. Dies führt dazu, dass längere Namen abgeschnitten werden. So wird z.B. „ES Datei Explorer“ zu „ ES Datei Exp“, was insgesamt ein wenig unschön aussieht.

Neu ist auch, dass bei diesem Lenovo Tablet die Benachrichtigungsleiste geteilt wird. Ein Fingerwisch am oberen linken Bildschirmrand ruft die aktuellsten Benachrichtigungen (E-Mails, App-Aktualisierungen usw.) auf. Im Test fiel jedoch zwei Mal ein kleiner Grafikfehler bei der Anzeige von neuen E-Mails auf. Der Vorschautext wurde wie ausradiert dargestellt. Wischt man am rechten oberen Bildschirmrand so öffnet sich Schnelleinstellungsleiste. Dort finden sich auch die drei verschiedenen Bildschirmmodi für die verschiedenen Standpositionen des Tablets. Des Weiteren verfügt das Yoga Tablet über eine Seitenleiste, die kürzlich verwendete Apps anzeigt und sich je nach Format auch inhaltlich anpasst. So wird im Hochformat eine Verknüpfung zur Buch-App Txtr Ebook angezeigt und im Querformat ein Link zur Foto- und Videobibliothek.

Lenovo Yoga 10 Tablet: Screenshots

Die zwei Frontlautsprecher ermöglichen einen klaren und lauten Stereoklang, jedoch wie bei eigentlich allen Tablets und Smartphones, mit sehr wenig Bass. Allerdings ist eine Dolby-Software vorinstalliert mit der der Nutzer zumindest den Klang auf seine persönlichen Vorlieben einstellen kann. Dafür gibt es vier voreingestellte Nutzungsschemen: Filme, Musik, Spiele und Sprache. In den einzelnen Schemen finden sich dann noch zahlreiche weitere Equalizer-Einstellungsmöglichkeiten, um etwa die Höhen und Tiefen zu ändern.

Außerdem fügt Lenovo noch weitere Programme wie eine Energieverwaltungs-App, Kingston Office sowie Nortons Security-App und Navigate 6 hinzu.

Alles in allem kommt Lenovo mit einem recht ordentlichen Software-Paket daher., das allerdings keine Highlights beinhaltet. Die geteilte Benachrichtigungsleiste ist für Android-Benutzer jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Auch der wiederholt aufgetretene Grafikfehler sorgten somit insgesamt für einen Punktabzug.

Wertung: 4/5

Akku

Das Herzstück des Lenovo Yoga Tablet ist sicherlich der 9.000 Milliamperestunden starke Akku, der sich auch im Test als sehr leistungsstark und ausdauernd zeigte. In der Lenovo Energie App lässt sich prüfen, durch welche Prozesse das Tablet am meisten Energie verloren hat und die Akkuleistung auf das eigene Nutzungsverhalten anpassen. Sowohl nach einer 30-minütigen Spiele-Session als auch dem Abspielen eines HD-Film verlor das Tablet jeweils nur fünf Prozent an Akkuleistung.

Hinsichtlich des Akkus kann das Yoga Tablet voll punkten. An den 9.000 mAh starke Akku kommt aktuell kein anderes Tablet heran. Zum Vergleich: Apple gibt beim neuen iPad Air eine maximale Betriebsdauer von 11 Stunden an, das Samsung Galaxy Tab 10 schafft nur neun Stunden bis es wieder an den Strom muss. Das Yoga Tablet hält in der Tat etwa 18 Stunden Dauerbetrieb aus. Daher volle Punktzahl.

Wertung: 5/5

Fazit

Das Lenovo Yoga 10 ist ein sehr gut und hochwertig verarbeitetes Tablet, das mit seinem praktischen, integrierten Standfuß und seiner sehr langen Akkulaufzeit punkten kann. Jedoch ist es von seiner Ausstattung her eher mittelmäßig, insbesondere die unterdurchschnittliche Bildschirmauflösung von 150 ppi enttäuscht bei einem Preis von rund 300 Euro. Nach dem 2,5-tägigen Test fiel außerdem noch auf, dass das Yoga Tablet im Vergleich zu anderen Tablets durch das zylinderförmige Akkugehäuse auf Dauer sehr schwer in der Hand liegt. Hält man das Tablet in der Hand ist das Gewicht ungleich verteilt. Insbesondere wenn man das Tablet viel halbliegend auf der Couch nutzt können die rund 600 Gramm gefühlt zu einer kleinen Hantel mutieren. Der integrierte Standfuß ist zwar eine nette Sache, jedoch nichts, was man nicht auch auf einem wortwörtlich „leichteren“ Wege hätte lösen können (beispielsweise wie Apple mit seinem Smart Case).

Pro:Testsiegel Lenovo Yoga Tablet 10

  • integrierter Standfuß
  • exzellente und hochwertige Verarbeitung
  • sehr lange Akkulaufzeit

Contra:

  • kein Full-HD-Display
  • mittelmäßige Grafikkarte und Prozessor
  • recht hohes Gewicht

Alternative

Für einen etwa vergleichbaren Preis erhält man beim Asus Memo Pad FHD 10 mit 1.920 x 1.200 Pixel eine Full-HD-Aufösung, jedoch muss man sich hier mit einem etwas schwächeren Akku im Vergleich zum Yoga zufrieden geben. Die Daten zum Lenovo Yoga Tab 10 und Asus Memo Pad FHD 10 gibt es hier im Vergleich.

Bildquellen:

  • Lenovo Yoga Tablet 10: inside-digital
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