LGs zweiter Tablet-Versuch ist ein Volltreffer

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LG G Pad 8.3 im Test
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Was den Preis anbelangt stapelt LG schon einmal ein ganzes Stück tiefer als bei seinem ersten Versuch: Lag der Preis für das Optimus Pad seinerzeit bei knapp 1.000 Euro, so ist das G Pad bereits für unter 300 Euro zu haben und lässt sich so in die Tablet-Mittelklasse einsortieren.

Verarbeitung und Design

Die Rückseite aus gebürstetem Aluminium liefert den dominierenden ersten Eindruck, den das G Pad 8.3 hinterlässt, und der lautet: hochwertig und gefällig. In Verbindung mit dem schmalen Kunststoff-Rahmen der das Display umfasst, sorgt allein die Materialwahl für einen robusten und zugleich schicken Eindruck. Letzteres wird durch die Dimensionen des Displays auf der Vorderseite verstärkt: Der obere und untere Rand sind schon recht schmal bemessen, die seitlichen Ränder mit etwa 7,5 Millimetern ebenfalls.

Spaltmaße sind kaum zu erkennen, nichts knarzt, alles sitzt fest. Das gilt auch für die Lautstärkewippe und den An-/Aus-Schalter, wobei Letzterer in Sachen Druckpunkt ruhig ein wenig mehr Feedback geben dürfte. Positiv fällt die Klappe auf, hinter der sich der Steckplatz für Micro-SD-Karten versteckt. Sie macht einen soliden Eindruck und fügt sich nahtlos in die Kopfseite des Tablets neben dem Klinkenanschluss ein.

LG G Pad 8.3: Hands-On-Bilder

Durch das Display-Format von 16:10 fällt das G Pad recht schmal, dafür jedoch etwas höher aus. Das hat den Vorteil, dass es sich hochkant recht gut in einer Hand halten lässt. Die Maße betragen 217 x 127 x 8,3 Millimeter. Das Gewicht von 338 Gramm ist für ein Tablet schon ziemlich gering; hält man das Gerät allerdings längere Zeit in einer Hand, wird es etwas schwer.

An der Verarbeitung des G Pad 8.3 gibt es nicht nur nichts zu meckern, die schmalen Seitenränder rund um das Display geben dem Tablet auch eine angenehm schlanke Form, die das Halten in einer Hand erleichtert. – Volle Punktzahl.

Wertung: 5/5

Display

Wie bei vielen LG-Smartphones üblich, kommt auch im G Pad ein LC-Display mit IPS-Technik zum Einsatz. Bei einer Display-Diagonale von 8,3 Zoll bei einem Seitenverhältnis von 16:10 versammeln sich auf der Anzeige 1.920 x 1.200 Pixel, was Full-HD entspricht. Das G Pad kommt so auf eine Pixeldichte von 273 ppi. Zum Vergleich: Das iPad Mini mit Retina-Display bietet 324 ppi, das Samsung Galaxy Note 8.0 hingegen nur 189 ppi.

Auch wenn die Auflösung nicht an die Konkurrenz von Apple heranreicht, darf die Anzeige ohne weiteres als scharf bezeichnet werden. Der Nutzer muss schon sehr genau hinschauen um einzelne Pixel erkennen zu können, Schriften erscheinen klar und sauber.

Farben erscheinen wie auf den meisten IPS-Display kräftig und natürlich; Weiß wirkt jedoch ein wenig gräulich. Die automatische Helligkeitsregulierung geht etwas sparsam mit der Helligkeit um, kann aber manuell nach oben oder unten korrigiert werden. Auch der Einsatz im Freien ist mit dem G Pad möglich, im Sommer dürfte bei direkter Sonneneinstrahlung allerdings nicht mehr viel auf der Anzeige zu erkennen zu sein – zu den hellsten Displays gehört das des G Pad nicht.

Die Auflösung gehört nicht zu den Besten, auch wenn man das kaum wahrnimmt. Schwerer wiegt allerdings die etwas zu niedrige Helligkeit, die bei heller Umgebung im Freien zu Schwierigkeiten führen kann. Daher gibt es an dieser Stelle einen Stern Abzug.

Wertung: 4/5

Ausstattung und Leistung

Als Recheneinheit verbaut LG im G Pad einen Snapdragon 600 aus dem Hause Qualcomm. Der Prozessor ist bereits aus Smartphones wie dem HTC One bekannt. Seine 4 Kerne takten mit 1,7 GHz. An Arbeitsspeicher stehen dem Prozessor 2 GB zur Verfügung. Insgesamt kommt das G Pad so auf eine recht schnelle Arbeitsgeschwindigkeit. Ruckler oder Aussetzer konnten im Test nicht festgestellt werden, ebenso waren Apps stets zügig startbereit. 3D-Spiele sind ohne weiteres möglich, im Test waren weder bei GT Racing 2 noch Ski Challenge 14 Ruckler oder Verzögerungen spürbar.
Das subjektive Empfinden wird vom AnTuTu-Benchmark unterstützt: Mit 25.721 Punkten schneidet das GPad hier in etwa auf Augenhöhe mit dem Samsung Galaxy S4 ab. Dabei bleibt das Gehäuse auch bei längerem Spielen bei einer angenehmen Temperatur, ohne sich allzu sehr aufzuheizen.

Der Gesamtspeicher des G Pad beträgt 16 GB, für den Nutzer stehen hiervon rund 11 GB zur Verfügung. Das sollte reichen, um eine Vielzahl von Apps zu installieren. Wer größere Datenmengen auf dem Tablet lagern will, kann den Speicher per Micro-SD-Karte um bis zu 64 GB erweitern.

Weitere Ausstattung:

Feature

Ja Nein Funktion

HSPA

  X Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+    X  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE   X Mobilfunkstandard, Down-max 100 Mbit/s
USB-OTG   Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA X   Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC X   Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast   Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHL   X Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Slimport X   Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung   Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version X   4.0
WLAN-Standards X   802.11 a/b/g/n

Eigentlich hat das G Pad alles, was sich das Tablet-Nutzer-Herz wünschen kann. Lediglich Mobilfunk fehlt; es ist jedoch wahrscheinlich, dass LG eine entsprechende Variante noch nachliefert.

Wertung: 4,5/5

Kamera

Die Kamera ist sicherlich kein Highlight des G Pad 8.3. Über den Sinn guter Kameras in Tablets lässt sich allerdings auch streiten, eignen sich die flachen Rechner allein durch ihre Form schon nur bedingt als Kamera-Ersatz. Die Hauptkamera löst mit 5 Megapixeln auf und liefert ein eher durchwachsenes Ergebnis. Im Freien bei recht guten Verhältnissen gelingen brauchbare Aufnahmen, die allerdings einige an Dynamik vermissen lassen. Hellere Bildbereiche erscheinen häufig überbelichtet und verschlucken Details. Insgesamt wirken Aufnahmen oft verwaschen. In Innenräumen ist deutliches Farbrauschen hingegen kaum zu vermeiden. Über einen Blitz oder eine LED-Leuchte verfügt das G Pad nicht.

LG G Pad 8.3: Kamera-Testbilder

Die Bilder sind hier in voller Auflösung zu sehen

Das Kamera-Interface ist bereits aus anderen LG-Geräten bekannt. Es präsentiert sich übersichtlich und klar. Neben verschiedenen teils manuellen Einstellungsmöglichkeiten, die sich hinter dem Zahnrad-Symbol verstecken, gibt es verschiedene Modi wie HDR, Panorama, Serienbildaufnahme und einen Nachtmodus.

Videos können in Full-HD aufgenommen werden, die Ergebnisse sind allerdings wenig ansehnlich: Starkes Bildrauschen ist an der Tagesordnung. Noch schlechter präsentiert sich der Ton. Offenbar wird dieser vom Gerät ständig nachkorrigiert, wodurch viele Einzelheiten verloren gehen und Sprache, sofern sie nicht besonders laut ist, kaum verstanden werden kann. Zudem muss der Filmer aufpassen, das Mikrofon, das an der unteren Seite des Gerätes sitzt, nicht mit seiner Hand abzudecken, sonst hört man noch weniger.

Schnappschüsse im Freien bei gutem Licht sind möglich, in Innenräumen fängt es schnell an zu rauschen. Videos leiden unter dem gleichen Problem und liefern einen recht miserablen Ton. In der Tablet-Mittelklasse reicht das gerade noch zu drei Sternen.

Wertung: 3/5

Software und Multimedia

Das G Pad übernimmt einige der bereits aus dem Smartphone LG G2 bekannten Software- und Bedienungs-Features. So lässt sich beispielsweise das Display durch zweimaliges schnelles Tippen aktivieren, oder vom Homescreen aus deaktivieren. Ebenfalls eine praktische Geste ist das Verschieben laufender Apps in eine Art Multitasking-Übersicht. Wischt man in einer laufenden App mit drei Fingern von rechts nach links, verschwindet diese App im linken Bildrand, insgesamt können drei Apps gleichzeitig so auf Standby gesetzt werden. Wischt man mit drei Fingern von links nach rechts erscheint eine Übersicht der aktuell hinterlegten Apps. Im Prinzip gleicht diese Funktion, der Android-typischen Übersicht der zuletzt geöffneten Apps, lässt sich jedoch etwas intuitiver steuern. Zudem starten Apps in der Android-Übersicht teilweise neu, wenn man sie anwählt, was mit der LG-Multitasking-Lösung nicht passieren sollte. In den Einstellungen ist die Funktion unter dem eingängigen Begriff „Zur Seite gleiten“ zu finden.

Screenshot der Multitasking-Funktion beim  LG G Pad 8.3Screenshot der Multitasking-Funktion „Zur Seite gleiten“

Neben einer Notiz-App ist auf dem G Pad auch eine einfach gehaltene Schnittsoftware vorinstalliert, mit der sich Videos bearbeiten oder Foto-Slideshows erstellen lassen.

Auf dem G Pad 8.3 bringt LG seine Sprachsteuerung Voice-Mate zum Einsatz und platziert ein entsprechendes App-Icon auf dem Home-Screen. Auf Deutsch hat man allerdings derzeit keinen Spaß mit der Software, denn die versteht nur Englisch. Immerhin: Die Anwendung lässt sich mit dem Kommando „LG Mobile“ öffnen – auch aus den Sperrbildschirm – aber danach muss es dann auch auf Englisch weitergehen, damit etwas passiert. Bleibt zu hoffen, dass LG hier bald die deutsche Version nachliefert.

Neben Google Play Music ist auf dem G Pad auch ein LG-eigener Musik-Player vorinstalliert. Praktischerweise wird dieser wie auch Youtube und der Video-Player angezeigt, sobald ein Kopfhörer eingesteckt wird. Der Player verfügt über die üblichen Möglichkeiten, Musik zu sortieren und bietet voreingestellte Klangbilder sowie einen manuellen Equalizer.

Screenshot der LG-Musik-AppScreenshots der LG-Musik-App

Die beiden auf der Rückseite angebrachten Lautsprecher bieten einen lauten und klaren Klang, was Bässe und Tiefen anbelangt müssen sie allerdings komplett passen. Da hat man schon ausgewogenere Tablet-Lautsprecher gehört. Hinzu kommt, dass die Lautsprecher auf der Rückseite sitzen und abgedeckt werden, wenn das Tablet flach auf dem Tisch liegt. Über Kopfhörer wird das Musik-Erlebnis da schon voluminöser und insgesamt recht ausgeglichen.

Das G Pad liefert ein gut ausgestattetes Software-Paket mit sinnvollen Anwendungen. Leider ist Voice-Mate derzeit nicht auf Deutsch nutzbar und daher überflüssig. In Verbindung mit dem etwas durchwachsenen Klang der Lautsprecher führt dies zu einem halben Stern Abzug.

Wertung: 4,5/5

Akku

Im G Pad steckt eine Energiezelle, die 4.600 mAh liefert. LG hatte bereits mit dem Smartphone G2 gezeigt, dass es ausdauernde Kraftpakete bauen kann, und auch das G Pad 8.3 macht in Sachen Stromverbrauch eine gute Figur. Im Test musste das Tablet jeweils 30 Minuten aufwendige Spiele, Surfen, Musik-Streaming und HD-Videostream über sich ergehen lassen. Zusätzlich wurde es mit dem Download größerer Dateimengen (ca. 2 GB) einem Benchmark-Test und der Aufnahme diverser Fotos und Videos belastet.

Ergebnis: Am Ende des achtstündigen Testtages verfügte der Akku noch über eine Kapazität von 35 Prozent. Über Nacht verlor er im Standby nochmal 3 Prozent, so dass nach 24 Stunden noch 32 Prozent angezeigt wurde. Das ist ein recht ordentlicher Wert, allerdings hängt die Akkulaufzeit sehr stark von der Art der Nutzung ab.

Der Akku hält lange durch. Es geht aber auch noch länger, daher werden hier vier von fünf Sternen vergeben.

Wertung: 4/5

Fazit

Was hatte LG nicht alles mit seinem ersten Tablet falsch gemacht – Technik, die niemand braucht, zu einem Preis den keiner zahlen will. Daraus hat man offenbar gelernt: Das G Pad glänzt dort mit guter Ausstattung, wo sie bei einem Tablet hingehört, nämlich beim flotten Prozessor und einer sehr guten Verarbeitung in Verbindung mit einem ansprechenden Design. Hinzu kommt ein Display, das zwar ein wenig heller sein könnte, jedoch scharfe Bilder mit guten Farben liefert. Dass das Display nicht die derzeitige Maximal-Auflösung bietet, fällt kaum auf. Dafür ist es LG gelungen, den Preis mit unter 300 Euro recht niedrig zu halten.

Dass die Aufnahmen der Kamera – vorne wie hinten – alles andere als prickelnd sind, lässt sich bei einem Tablet verkraften.

Kurz und knapp: Das G Pad leistet sich kaum Schwächen und dort, wo es nicht punkten kann, sollte es für die meisten Nutzer verkraftbar sein. Was bisher noch fehlt ist eine Variante, die UMTS oder LTE unterstützt, so dass Nutzer unterwegs nicht auf WLAN oder Tethering mit einem Smartphone angewiesen sind. Wer darauf jedoch ohnehin keinen Wert legt, der bekommt mit dem G Pad 8.3 ein solides Gesamtpaket zu einem guten Preis.

Pro:LG G Pad 8.3 Testiegel

  • Sehr gute und schicke Verarbeitung
  • Leistungsstarker Prozessor
  • Günstiger Preis

Contra:

  • Schlechte Kamera
  • Bisher keine UMTS- oder LTE-Version

Alternativen

Im Bereich der 8-Zöller hat auch Samsung Tablets in petto: das Galaxy Note 8.0 und das Galaxy Tab 3 8.0. Die beiden Geräte bieten zwar eine schlechtere Display-Auflösung, sind allerdings auch als UMTS- und LTE-Version verfügbar – in dieser jedoch auch ein gutes Stück teurer. Die Daten zum LG G Pad 8.3, Samsung Galaxy Note 8.0 und Galaxy Tab 3 8.0 gibt es hier im Vergleich.

Bildquellen:

  • LG G Pad 8.3 im Test: inside-digital.de
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