1&1 schickt Kunden neue SIM-Karten: Das steckt dahinter

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Bildquelle: David Gillengerten / inside handy
„Jetzt kostenlos mehr Datenvolumen sichern“ - das verspricht der Mobilfunkprovider 1&1 derzeit einem Teil seiner Kunden in einem Brief. Dem liegt direkt eine neue SIM-Karte dabei. Doch was hat es damit auf sich? Und was passiert, wenn man nicht reagiert?

Den Brief bekommen Kunden, die ihren 1&1-Tarif im Netz von Vodafone haben. Größtes Manko dieses Tarifes: Bis heute müssen die Kunden ohne LTE auskommen, da sich 1&1 als Vermarkter und Vodafone als Netzbetreiber nicht über die Konditionen einigen konnten. Mit dem Brief, der jenen Kunden in den vergangenen Tagen zugeschickt wurde, suggeriert 1&1 den Kunden nun, dass sie nicht nur mehr Datenvolumen bekommen, sondern auch noch LTE. An Vertragslaufzeit und Konditionen ändere sich nichts.

Wer sich aber genauer mit der beiliegenden SIM-Karte und den Informationen beschäftigt, kann sehen, dass der neue LTE-Vertrag „im Netzverbund von Telefónica“ geschaltet wird – sprich im O2-Netz statt wie bisher bei Vodafone.

Muss ich auf den Brief von 1&1 reagieren?

Im Gespräch mit der inside digital Redaktion stellt 1&1 klar, dass es sich bei dem Brief an die Kunden nur um ein Angebot handele. Kunden könnten den Wechsel annehmen, dann würden sie auf das O2-Netz umgestellt. Allerdings zunächst nur, um das Netz auszutesten, wie es in einer Stellungnahme des Anbieters heißt: „Mit dem Schreiben informieren wir unsere Kunden über die Vorteile von LTE und bieten unverbindlich einen Wechsel in unsere LTE-Tarife an. Für interessierte Kunden liegt eine SIM-Karte für einen kostenlosen und unverbindlichen Test bei. Per Anruf kann diese mit temporärer Rufnummer für den Test aktiviert werden.“

Entscheide sich der Kunden am Ende für einen Wechsel, ändere sich nichts an seiner Vertragslaufzeit oder monatlichen Grundgebühr. Dann werde auch die Rufnummer auf die neue Karte übertragen.

Wer aber nicht reagiert, bei dem ändert sich auch nichts, bestätigt 1&1 auf Nachfrage. „Kunden, die daran kein Interesse haben, müssen nicht auf das Schreiben reagieren und verbleiben in ihrem aktuellen Vertragsverhältnis.“ Der Tarif bleibt unverändert im Vodafone-Netz geschaltet, die neue SIM-Karte nicht aktiviert. Der 1&1-Sprecher fügte aber noch hinzu: „Grundsätzlich ist es 1&1-Kunden möglich das Mobilfunknetz jederzeit zu wechseln, kostenlos während der gesamten Vertragslaufzeit.“

Wann ist der Wechsel sinnvoll?

Ein Wechsel ist nur dann sinnvoll, wenn du dir sicher bist, dass das O2-Netz an den Orten, wo du dein Handy verwendest, besser ist als das Vodafone-Netz ohne LTE. O2 baut derzeit sein LTE-Netz massiv aus. Allerdings: Solltest du noch kein LTE-Handy haben, solltest du auch nicht den Anbieter wechseln. Und auch wenn du wechselst, lohnt es sich, deine Vertragskonditionen zu überprüfen. Tarife im O2-Netz sind oftmals weitaus günstiger als die 1&1-Tarife im Vodafone-Netz – selbst wenn es nach einer Umstellung zusätzliches Datenvolumen gibt.

Warum will 1&1 die Kunden umstellen?

Hinter 1&1 steckt United Internet. Zum Firmenverbund gehört inzwischen auch der Provider Drillisch, der sich in das Netz von Telefónica O2 eingekauft hat. Künftig wird United Internet mit Drillisch sogar ein eigenes Mobilfunknetz betreiben. Für 1&1 ist es deutlich lukrativer, einen Kunden im Rahmen dieses Telefónica-Deals Tarife anzubieten als die gleichen Konditionen im Netz von Vodafone einzukaufen. Der Versuch der Umstellung ist also rein wirtschaftlicher Natur.

Das Angebot von 1&1, die Kunden auf das - für den Anbieter - deutlich lukrativere Netz umzustellen, ist nachvollziehbar. Generell spricht auch nichts gegen ein solches Angebot, zumal dem Kunden auch noch zusätzliches Datenvolumen versprochen wird. Doch wäre es wünschenswert gewesen, das Schreiben deutlicher zu formulieren. Es fehlt im Anschreiben der Hinweis auf einen Netzwechsel sowie darauf, dass es nicht zwingend notwendig ist, zu reagieren.

So dürfte die Verunsicherung bei einigen Kunden groß sein. Abgesehen davon, dass bei jenen Kunden, die nicht wechseln wollen, direkt Plastik-Müll in Form eines SIM-Karten-Trägers beiliegt.

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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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