Neues 5G-Netz: 1&1 drückt den Not-Knopf

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Die Verhandlungen stocken. Um ein eigenes 5G-Netz in Deutschland aufbauen zu können, meldet 1&1 Drillisch Bedarf an einem National Roaming Abkommen an. Doch die Verhandlungen darüber sind nun offenbar in einer Sackgasse zum Erliegen gekommen. Das hat jetzt Konsequenzen.
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1&1 Drillisch verhandelt bisher ohne Erfolg über ein National Roaming Abkommen in den Netzen von Telekom, Vodafone und Telefónica.Bildquelle: Telefónica Deutschland

Seit Monaten wird hinter den Kulissen verhandelt. 1&1 Drillisch auf der einen Seite des Tisches, die drei etablierten deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber auf der anderen. Gegenstand der Gespräche: Zu welchen Konditionen bekommt 1&1 Zugriff auf die Netze der Konkurrenz, um beim Aufbau eines eigenen 5G-Netzes vorübergehend im Rahmen eines National-Roaming-Abkommens bundesweit Mobilfunk anbieten zu können. Ganz ähnlich wie es einst Viag Interkom (heute O2) zum Start vor rund 20 Jahren im Telekom-Netz möglich war. Problem: Eine Einigung zwischen den Verhandlungspartnern scheint nicht möglich zu sein. Und deswegen zieht 1&1 jetzt die Reißleine.

1&1 vs. Telekom, Vodafone und Telefónica – Streitpunkt National Roaming

Schon Mitte August hatte 1&1-Chef Ralph Dommermuth zum wiederholten Male über schleppende National-Roaming-Verhandlungen geklagt. Auf die Frage unserer Redaktion, ob es denn im laufenden Verhandlungsmarathon eine Deadline gebe, erklärte der Manager im Rahmen einer Telefonkonferenz: „Irgendwann kommt man zu einem Punkt, an dem man die Bundesnetzagentur anrufen muss.“ Und dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. 1&1 hat offiziell den Regulierer eingeschaltet. Der soll jetzt eine Art Schiedsrichter-Rolle im offenbar knallharten Verhandlungspoker einnehmen.

Schon am vergangenen Freitag habe 1&1 Drillisch die Bundesnetzagentur formell in die National Roaming Verhandlungen einbezogen, teilte das Unternehmen jetzt mit. Ziel sei es, dass die Regulierungsbehörde in den laufenden Verhandlungen das Verhalten von Vodafone und der Deutschen Telekom unter die Lupe nehme. Mit diesen beiden Anbietern seien die laufenden Gespräche über mögliche Zugänge zu deren Mobilfunknetzen im National-Roaming-Verfahren zu keinem Ergebnis gekommen, so 1&1. Die Vorstellungen über die Zugangskonditionen zu den Netzen liegen zwischen den beteiligten Parteien offensichtlich weit auseinander. Zu weit, um zeitnah zu einem greifbaren Ergebnis zu kommen.

National Roaming im Telefónica-Netz wäre möglich, aber…

Die Verhandlungen mit Telefónica dauern aktuell noch an. Aber auch hier behalte man sich vor, einen entsprechenden Antrag bei der Bundesnetzagentur zu stellen, teilte 1&1 Drillisch weiter mit. Allerdings sind die Voraussetzungen in den Gesprächen mit Telefónica auch etwas andere. Hier kämpft 1&1 anders als gegenüber Telekom und Vodafone mit nicht ganz so stumpfen Waffen. Denn im Zuge der Fusion zwischen O2 und E-Plus hatte sich Drillisch, inzwischen selbst mit 1&1 in einem Unternehmen zusammengeschlossen, nach entsprechenden EU-Auflagen Zugang zum Netz von Telefónica gesichert.

Schon im Jahr 2014 legte die EU Kommission fest, dass Drillisch 30 Prozent der Netzkapazität des Telefónica-Netzes nutzen darf. Und das nicht nur bezogen auf aktuelle Mobilfunk-Standards, sondern auch auf zukünftige. Heißt konkret: 1&1 Drillisch könnte zu festgelegten Konditionen ein National Roaming im Telefónica-Netz realisieren. Doch das allein reicht 1&1-Boss Dommermuth offenbar nicht. Vermutlich zielt er darauf ab, sich mit 1&1 Drillisch zu vergleichbaren Konditionen auch in die beiden D-Netze von Telekom und Vodafone einbuchen zu können. Dass diese Netze vor allem in ländlichen Regionen besser ausgebaut sind als jenes von Telefónica weiß auch Dommermuth.

1&1 Drillisch muss sich weiter in Geduld üben

Und wie geht es nun weiter? Offiziell teilte 1&1 Drillisch am Montagabend nur mit, dass es das Ziel des neuen Kurses unter Einbeziehung der Bundesnetzagentur sei, zeitnah eine Verhandlungs-Verpflichtung durchzusetzen. Die obliege im Rahmen der 5G-Frequenzbedingungen schließlich allen drei großen deutschen Netzbetreibern.

Dass 1&1 diesen Weg beschreiten werden muss, konnte man schon im Jahr 2019 nach dem Ende der 5G Frequenzauktion ahnen. Schon damals stellte die Bundesnetzagentur in Aussicht, dass sie sich als Schiedsrichter einschalten würde, sollte dem Neuling am deutschen Netzbetreiber-Firmament, 1&1 Drillisch, im Rahmen von diskriminierungsfreien Verhandlungen nicht die Möglichkeit offenbart werden, zu akzeptablen Bedingungen ein National Roaming in Deutschland anbieten zu können.

Genau diese Rolle muss die Bonner Behörde nun nach dem 1&1-Antrag wahrnehmen. Wann und wie die Bundesnetzagentur auf den Antrag reagiert, ist noch unklar.

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3 KOMMENTARE

  1. Wir haben mit nur 3 Mobilfunkanbitern seit dem Ende von ePlus definitiv zu wenige und ein Quasimonopol. Wir brauchen unbedingt mehr Konkurrenz. Die Preise sind weltweit gesehen überzogen hoch. Die Versorgung ist minderwertig. schlimmer als in manchem Entwicklngsland. Jeder Bürger hat schon alle Anbieter durch und mit jedem genug Ärger gehabt, kann aber nicht zu einer Alternative wechseln.

    • Das liegt aber hauptsächlich an der Vergabe der Frequenzen. Der Bund hat da vor 20 Jahren ein Ei gelegt was uns heute noch bremst. Die Milliarden die für Frequenzen bezahlt werden müssten, fehlen im Netzausbau und müssen auch noch ins verdienen gebracht werden

  2. Es gibt keine Kontrolle durch die Bundesnetzagentur! Diese hätte schon längst einschreiten müssen. Oder wird dies wiederum durch Lobbyarbeit und Frühstück bei der Kanzlerin verhindert. Sowohl die Telekom als auch Vodafone haben einen zu großen Wasserkopf und 1&1 geht in riesen Schritten hier mit. Es war ein Fehler e+ zu zerstören. Und bei den UMTS Lizenzen ging es nur darum Geld in die Kassen des Staates zu spülen ohne dabei zu bedenken, wie hier das Geld für den Netzausbau fehlt. Digitale Fehlleistungen sind seit dem Kupferkabel-Skandal vorhanden. Das Problem ist der Lobbyismus in der Bundesrepublik Deutschland. Aber alles gut kommt ja von der USA. Nur weiter so, so kann man eine Demokratie auch zerstören.

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