1&1 Drillisch: MVNO-Vertrag mit Telefónica läuft aus

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1&1 Drillisch soll der vierte, große Netzbetreiber in Deutschland werden. Nach dem Erfolg bei der 5G-Frequenzauktion ist es aber ziemlich ruhig um den neuen Hoffnungsträger in der deutschen Mobilfunklandschaft geworden. Und noch hat 1&1 Drillisch auch den aktuell gültigen MBA MVNO Vertrag mit Telefónica Deutschland nicht verlängert. Dabei wäre es langsam an der Zeit, eine entsprechende Option zu ziehen.
1&1 Headquarter
Bildquelle: United Internet

Sicher ist: 1&1 Drillisch besitzt 5G-Frequenzen, um ab 2021 ein eigenes Mobilfunknetz in Ballungszentren starten zu können. Wohlgemerkt: Nur in Ballungszentren. Denn der Betrieb eines bundesweiten 5G-Netzes ist erst mit zusätzlichen Flächen-Frequenzen möglich, die aber frühestens 2026 verfügbar sind. Um den eigenen Kunden in ganz Deutschland Mobilfunk anbieten zu können, ist 1&1 Drillisch deswegen auf einen National-Roaming-Vertrag mit einem der drei schon heute aktiven Mobilfunk-Netzbetreiber angewiesen; entsprechende Verhandlungen laufen – mit der Bundesnetzagentur als Schiedsrichter im Rücken.

1&1 Drillisch: Was passiert mit dem laufenden MVNO-Vertrag?

Im Laufe des ersten Quartals 2020 muss 1&1 Drillisch entscheiden, ob der Konzern aus dem Westerwald mit Telefónica Deutschland ein solches National Roaming realisieren will. Bislang sei diesbezüglich noch keine Entscheidung gefallen, sagte Telefónica-Chef Markus Haas am Montag in Berlin. Das Angebot zum National Roaming im Telefónica-Netz war und ist Teil einer Auflage seitens der EU-Kommission, die Telefónica gemacht wurde, um die Netze von O2 und E-Plus zusammenschließen zu dürfen.

Und auch an anderer Stelle hat 1&1 Drillisch dem Vernehmen nach noch keine Entscheidung gefällt. Nämlich die, ob der bestehende MBA MVNO Vertrag mit Telefónica Deutschland verlängert wird. Als virtueller Netzwerk-Operator hat 1&1 Drillisch aktuell die Möglichkeit, auf 20 Prozent der Netzkapazitäten des Telefónica-Netzes zuzugreifen.

O2-Chef Haas sagt: „1&1 muss sich bis zum Jahresende verbindlich entscheiden, ob sie den bestehenden Vertrag um weitere fünf Jahre verlängern. Passiert das nicht, fällt er zum 30. Juni 2020 weg.“ Theoretisch hat 1&1 Drillisch durch das Ziehen von zwei Optionen zur Vertragsverlängerung die Möglichkeit, bis Mitte 2030 auf die Netzkapazitäten von Telefónica Deutschland zuzugreifen.

1&1 Drillisch verweist auf laufende Verhandlungen

Bei 1&1 Drillisch wollte man sich zu den aktuellen Verhandlungen nicht im Detail äußern. Ein Unternehmenssprecher sagte zu inside digital: „Im Moment sprechen wir mit allen Netzbetreibern über National Roaming. Hier stehen unterschiedliche Optionen im Raum. Sollten wir keine Verhandlungslösung über National Roaming mit einem der Netzbetreiber erzielen, hätten wir die Möglichkeit, den MBA MVNO Vertrag mit Telefónica in eine National-Roaming-Vereinbarung umzuwandeln.“ Die Gespräche dauerten aktuell aber noch an, weshalb es noch nicht möglich sei, eine konkrete Aussage zu treffen, so der 1&1-Drillisch-Sprecher weiter.

Unabhängig davon, welche Entscheidung 1&1 Drillisch zeitnah für die eigene Zukunft fällt, will Telefónica Mitte Dezember eine eigene Ausbau-Strategie für die kommenden Jahre verkünden. Haas sagt dazu: „Ich kann meine Strategie nicht davon abhängig machen, was Drillisch tut.“

Schon allein vor dem Hintergrund, dass der Vertrag mit 1&1 Drillisch weniger als 5 Prozent des Gesamtumsatzes von Telefónica ausmache, sei es sinnvoll, unabhängig von möglichen Entscheidungen des aktuellen Partners zu planen. „Wenn sie woanders hingehen wollen, dann muss ich damit leben“, lässt Haas auch Gedankenspiele zu, dass 1&1 Drillisch zukünftig verstärkt auf ein anderes deutsches Mobilfunknetz zugreifen könnte.

Haas lädt 1&1 Drillisch zum Netzwerk-Teilen ein

Dass 1&1 Drillisch mittelfristig auch im ländlichen Raum ein eigenes Netz aufbaut, im Zweifel auch per Network-Sharing, glaubt Haas nicht. Anders als Telefónica, Vodafone und Telekom habe 1&1 Drillisch als Neueinsteiger im deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber-Geschäft keine Auflage erhalten, auch im ländlichen Bereich bauen zu müssen. Der Druck liege hier nur bei den drei etablierten Netzbetreibern, beklagt Haas.

Offen ist in diesem Zusammenhang allerdings die Frage, inwiefern 1&1 Drillisch bereit sein könnte, sich an einem Netz-Sharing im ländlichen Raum zu beteiligen. Dabei teilen sich Netzbetreiber den Netzausbau untereinander auf und stellen sich das regional aufgebaute Netz untereinander zur Verfügung. Erst am Montag war eine solche Kooperation von Telekom, Vodafone und Telefónica bekannt geworden. Der O2-Chef sagt: „Wer bereit ist, im ländlichen Raum zu investieren, ist eingeladen, am Network-Sharing teilzunehmen.“ Es liege an 1&1 Drillisch, zu entscheiden, ob das in Frage kommen könnte.

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