15,4 Millionen Gigabit-Anschlüsse – aber nur ein Bruchteil will sie haben

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15,2 Millionen gigabitfähige Anschlüsse wird es Ende Juni in Deutschland geben. Doch nur ein Teil davon geht auf Internet per Glasfaser zurück. Und nur wenige buchen die schnellen Leitungen – besonders bei der Telekom.
Der Schriftzug Gigabit Network schwebt über einem Messestand von Vodafone

Im Rahmen der Breitband-Fachmesse Anga Com in Köln hat der Branchenverband VATM zusammen mit Dialog Consult, eine Studie zum Ausbau von gigabitfähigen Internetanschlüssen in Deutschland vorgestellt. „Die Zahlen sind gut, die Wettbewerber bauen immer schneller“, sagte der Präsident des Lobby-Verbandes Martin Witt. Dennoch fordert er, dass die Telekom „endlich Glasfaser den Vorrang vor Kupfer einräumt“, da man sonst die Breitbandziele der Bundesregierung nicht mehr erreichen könne.

Gigabit ist nicht Glasfaser

Wichtig zu verstehen ist, dass die mehr als 15 Millionen Gigabit-Leitungen nicht gleichzusetzen sind mit Glasfaserleitungen. Vielmehr gehen die Zahlen auf die Einführung von DOCSIS 3.1 bei den Kabelnetzbetreibern zurück. Der echte Ausbau von Glasfaser bis zum Haus oder gar in die Wohnung (FTTB/FTTH) mache nur etwa 4,04 Millionen aus, was aber auch einem Wachstum von 10 Prozent entspreche. Beachtlich: Die Telekom-Wettbewerber haben 80 Prozent der FTTB/H-Anschlüsse (3,24 Millionen) in Deutschland gebaut.

Frappierend ist der Unterschied zwischen Stadt und Land. In der Stadt standen Mitte 2018 83,2 Prozent der Haushalte Anschlüsse mit mehr als 100 Mbit/s Bandbreite zur Verfügung. In ländlichen Gebieten waren es laut einer TÜV-Rheinland-Stunde nur 19,4 Prozent. „Die Politik muss die enormen Anstrengungen des Marktes flankieren, zum Beispiel durch die Abschaffung der Sonderrechte der Telekom für die Nutzung von VDSL Vectoring gegenüber  FTTB/H und die Senkung der aktuell noch höher regulierten Preise für die Vermietung der alten Kupferanschlüsse“, so Witt.

Gigabit millionenfach vorhanden – Nachfrage unbekannt

Allerdings: Die Nachfrage nach Anschlüssen auf einer gigabitfähigen Infrastruktur ist nicht so hoch, wie sich das die Anbieter wünschen würden. Leider gibt es im Rahmen der Studie keine Zahlen dazu, welche Datenraten die Kunden buchen, sondern nur, dass sie einen Anschluss buchen, der theoretisch Gigabit-Datenraten liefern kann.

Im Kabelnetz seien es 21,4 Prozent der möglichen anschließbaren Kunden, in Glasfaser-Netzen immerhin 31,7 Prozent, die Anschlüsse buchen, die gigabit-fähig sind. Enttäuschend niedrig ist die Buchungsrate bei der Telekom: Hier sind es nur 20,8 Prozent. Da wundert es nicht, dass der Bonner Konzern lieber primär in VDSL investiert statt teuere Glasfaser-Leitungen zu versenken. Der Anteil der anschließbaren Glasfaser-Anschlüsse der Telekom am gesamten Glasfaser-Markt liegt bei etwa 19,9 Prozent oder 802.000 Anschlüssen. Tatsächlich gebucht haben die Glasfaser-Anschlüsse der Studie zufolge nur 167.000 Kunden – auch hier mit unbekannter Datenrate.

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