Test des ZTE Kis Plus

13 Minuten

ZTE Kis Plus

Was bekommt man heutzutage noch für 100 Euro? Eine Tankfüllung? Einen Familien-Wochenendeinkauf? Einen Billigflug nach Mallorca? Ein Smartphone? Letzteres auf jeden Fall. Für 100 Euro bietet Congstar im Moment das ZTE Kis Plus an. Doch wie „smart“ kann ein Billighandy sein und was bekommt man für sein Geld? Wie sich das Kis Plus im Alltag schlägt und wie es um die Qualität bestellt ist, verrät der Testbericht auf inside-digital.de.

Den weißen Karton ziert ein handgemaltes Kis und wird durch diverse Stadt-Silhouetten wie New York und Paris ergänzt. Anders als wir es gewohnt sind, wird keine weitere Schachtel aus der Verpackung gezogen. Das Handy nebst Zubehör liegt sauber verpackt im Karton. Hierzu gehören: Eine Kurzanleitung, ein 1.400-mAh-Akku, ein Micro-USB-Datenkabel, ein Netzadapter sowie ein Stereo-Headset. Letzteres ist im Einsteigersegment nicht immer Standard, daher darf man dies gern mal positiv hervorheben – vor allem vor dem Hintergrund des Preises.

ZTE Kis Plus
ZTE Kis Plus

Zum Abheben des Akkudeckels gibt es eine kleine Rille an der Seite der rechten oberen Ecke, in die man mit dem Fingernagel einhaken kann. Der schwarze Deckel sitzt fest in seinen Verankerungen und macht einen stabilen Eindruck. Über dem Akkufach liegt der Steckplatz für die SIM-Karte. Zur Verwendung kommt eine Standardgröße. Daneben liegt der auch ohne Akkuentnahme erreichbare Micro-SD-Kartenslot.

ZTE Kis PlusDas 114,3 x 61,6 x 11,5 Millimeter große Kis Plus liegt mit seinen 130 Gramm sehr gut in der Hand. Die abgerundeten Ecken und die Oberfläche machen den Sparfuchs zu einem Handschmeichler. Das Gerät besteht komplett aus Kunststoff, die Rückseite ist leicht angeraut. Störende Kanten gibt es keine. Vor allem mit Blick auf den Preis, hätte man hier mindere Qualität erwarten können. Dem ist aber nicht so. Daher lässt sich eine sehr gute Haptikbescheinigen. Das Display ist in den Rahmen eingelassen und liegt circa einen Millimeter tiefer. Die Verarbeitung und Optik lassen auf den ersten Blick ebenfalls nicht auf ein Handy im niedrigen Preisbereich schließen. Die Spaltmaße, wenn man kaum messbaren Vertiefungen überhaupt so nennen mag, fallen sehr gleichmäßig und äußerst gering aus. Bei festerem Zupacken knarzt nichts. Das haben wir bei höherpreisigen Geräten schon ganz anders erlebt.

Über dem Display befinden sich eine silberfarbene Lautsprecheröffnung, ein Annäherungs- und Helligkeitssensor und eine Benachrichtungs-LED. Unter der Anzeige liegen vier Sensortasten, welche je nach Umgebungslicht in creme-weiß leuchten. Das heißt, ist laut Helligkeitssensor genügend Licht vorhanden, bleiben die Tasten unbeleuchtet. Im Dunkeln hingegen, leuchten sie. Ein nettes Gimmick, was natürlich auch im kleinen Strom spart.

Der Akkudeckel ist matt schwarz. Im unteren Bereich gibt es ein Segment, welches nicht vom Akkudeckel bedeckt wird und in glänzendem Schwarz lackiert wurde. Hier verstecken sich zwei kleine Serviceabdeckungen und die Lautsprecheröffnung. Die Kameraöffnung wurde linksseitig verbaut. An der linken Geräteseite findet man die Lautstärkewippe und dem gegenüber den Anschluss für das Daten- und Ladekabel. Der Power-Knopf und Kopfhöreranschluss liegen an der Stirnseite.

ZTE Kis PlusGetestet wurde die Sprachqualität im Netz von O2. Hier schlägt sich das Kis Plus gut und zeigt subjektiv kaum Unterschiede zur deutlich teureren Konkurrenz. Sowohl die Lautstärke bei maximaler Stufe als auch die Qualität der eingebauten Lautsprecher gehen in Ordnung. Gleiches gilt für den Empfang. Richtig punkten kann das Smartphone mit einer Kombination aus kleinem Display, sparsamen Prozessor und einem leistungsfähigen Akku. ZTE spendiert dem Kis Plus eine 1.400-mAh-Energiezelle. Im Test hielt der Akku bei einer typischen Nutzung der verschiedenen Funktionen inklusive Internet via WLAN und ständig aktiviertem Bluetooth über 30 Stunden durch. Nach einigen Ladezyklen ist hier auch noch eine Steigerung drin.

ZTE Kis PlusDas 3,5 Zoll große LC-Display löst lediglich mit 320 x 480 Bildpunkten auf. Ein Punkt, an dem ZTE dann doch sparen musste. Zwar reist die Auflösung niemanden mehr vom Hocker, doch in Verbindung mit dem „kleinen“ Display, lässt sich mit der Auflösung durchaus leben – insofern man nichts anderes gewohnt ist. Die Darstellung von Webseiten oder Bildern ist weitestgehend in Ordnung. Allerdings fällt der starke Blaustich des Display gerade im Browser negativ auf. Weiß ist halt nicht Weiß, auch wenn man sich bei längerer Bedienung wohl sicherlich dran gewöhnt. Auch eine manuelle Erhöhung der Helligkeit macht es nur bedingt besser. Kontrastumfang und Sättigung sind ok, mehr aber auch nicht.

Die Helligkeit passt sich automatisch den äußeren Lichtverhältnissen an, kann aber auch manuell nachgeregelt werden. Die Displayoberfläche spiegelt recht stark, so dass die Darstellung bei direkt einfallendem Sonnenlicht nahezu unsichtbar wird. Der kapazitive Touchscreen reagiert prompt auf die Fingereingabe. Ein Lagesensor passt die Displaydarstellung beim Drehen des Handys in drei Richtungen an.

Das ZTE Kis Plus ist mit einer 3-Megapixel-Kamera samt Autofokus aber ohne LED-Blitz ausgestattet. In unter einer Sekunde reagiert der Auslöser, welcher über ein Symbol auf dem Display bedient wird. Nur das Speichern der Bilder bedarf einer Wartezeit von 2 Sekunden. Gezoomt wird über eine eingeblendete Zoom-Leiste im Display. Erstaunlich vielseitig für ein Gerät dieser Preisklasse präsentieren sich die Einstellungen:

  • ZTE Kis PlusBelichtungskorrektur
  • Weißabgleich
  • Fokusmodus
  • Bildqualität
  • Effekte (Mono, Sepia, Negativ)
  • ISO
  • Sättigung
  • Kontrast
  • Schärfe

Videos können mit maximal VGA-Auflösung aufgenommen werden. Aber auch hier sind die Einstellungsmöglichkeiten umfangreicher, als bei vielen Konkurrenten. So lässt sich nicht nur der Video-Encoder wählen, sondern auch das Audio-Format. Die Fotoaufnahmen überraschen. Mit ausreichend Licht, lassen sich gute Abzüge für das Fotoalbum erstellen. Zwar sind die Farben in der Standardeinstellung etwas blass, lassen sich aber danke der Einstellung nach eigenem Gusto korrigieren. Die Schärfe geht in Ordnung. Die Videoaufnahmen sind kaum zu gebrauchen und daher eher dem Spaßfaktor einzuordnen. Insgesamt macht das Kis Plus in dieser Kategorie aber eine gute Figur, welche man so nicht erwarten konnte.

Auf dem ZTE Kis Plus läuft zum Testzeitpunkt Android in der Version 2.3.6 (Gingerbread). Ein Update auf Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) ist nicht vorgesehen und aufgrund der Hardware auch nicht wünschenswert, welche so mehr als an ihre Grenzen stoßen würde. Die Oberfläche wurde von ZTE angepasst. Gegenüber der nativen Android-Ansicht, wirkt alles bunter und verspielter. Die Icons sind gut gewählt und aussagekräftig. Eine Anpassung der Darstellung kann nicht vorgenommen werden. Zumindest nicht seitens ZTE. Wer eine andere Oberfläche bevorzugt, kann sich einen von verschiedenen Launchern aus dem Play Store herunter laden und das Gerät somit personalisieren.

Ansonsten bietet das ZTE natürlich die gewohnten Android-Funktionen, wie mehrseitiger Startbildschirm, Widgets und Live-Hintergründe. Natürlich musste ZTE an verschiedenen Stellen den Rotstift ansetzen, um den Preis von 100 Euro zu erreichen. Allerdings haben sie auch an falschen Stellen gespart. So beträgt der interne Speicher lediglich 150 MB, welche sich Kamera, Dokumente und vor allem die Applikationen teilen müssen. Gerade bei letzteren kommt es auf jeden Fall recht schnell zum Problem, wenn man die Anwendungen nicht auf die Speicherkarte auslagern kann. Und dies geht eben leider nicht mit allen Programmen. So muss man sich schon sehr gut überlegen, was man aus dem PlayStore herunter lädt. Da kann der Spaß schnell vorbei sein und der Frust sehr hoch.

Angetrieben wird das Kis Plus von einem Ein-Kern-Prozessor, welcher für eine größtenteils flüssige Navigation sorgt. Zu langen Wartezeiten kommt es nicht, auch  Apps öffnen sich zügig und Videos werden ohne Ruckler wiedergegeben. Dies liegt unter anderem am Betriebssystem. Android 2.3 ist recht genügsam, was die Hardware angeht. Verglichen mit aktuellen Flaggschiffen, merkt man jedoch einen Unterschied. Aber dies ist auch ein unfairer Vergleich. Zum einen sind aktuelle Geräte Hardware-mäßig besser ausgestattet, zum anderen erhielt Android durch „Projekt Butter“ in Jelly Bean noch einmal einen gehörigen Geschwindigkeitsschub. Für sich genommen geht die Performance des Kis Plus vollkommen in Ordnung. Grafisch weniger aufwändige Spiele wie Angry Birds lassen sich flüssig spielen, bei anspruchsvolleren 3D-Games stoßen Prozessor und GPU erwartungsgemäß  an ihre Grenzen.

ZTE Kis PlusDas Smartphone ist mit Quad-Band-GSM und Dual-Band-UMTS im mobilen Internet mit bis zu 7.2 MBit/s im Down- und 5.7 MBit/s im Upload unterwegs. Für den Internetzugang daheim steht WLAN im b/g/n-Standard bereit. Das Telefon kann als mobiler WLAN-Hotspot für andere WLAN-fähige Geräte genutzt werden. Über Bluetooth 2.1 mit A2DP lassen sich Daten mit kompatiblen Geräten austauschen. Vom PC wird das Kis Plus bei Kopplung mit einem USB-Datenkabel als Massenspeicher erkannt. Mit einer Micro-SD-Karte lässt sich der knapp bemessene interne Speicher um bis zu weitere 32 Gigabyte aufrüsten. Beim Prozessor handelt es sich um einen Qualcomm MSM7225A mit einem Kern. Als Arbeitsspeicher stehen 512 Megabyte bereit.

Nach 30 Sekunden zeigte die Statusleiste des Internet-Browsers bei WLAN-Verbindung eine vollständig geladene inside-digital.de-Startseite in klassischer Ansicht an. Jedoch baut sich die Seite zum größten Teil schon nach 10 Sekunden auf und man kann darauf navigieren. Über UMTS dauert dies alles 8 Sekunden länger. Das Navigieren auf der Seite verläuft ruckelfrei, auch das Vergrößerung per Pinch-to-Zoom stellt das Kis vor keine großen Probleme. Der Browser verfügt über eine URL-Eingabeleiste und Lesezeichen, meistbesuchte Seiten und Verlauf lassen sich über das Context-Menü aufrufen. YouTube-Videos werden über ein Browser-Plugin im Mediaplayer abgespielt.

Für die Fußgänger- und Fahrzeug-Navigationssoftware steht Google Maps Navigation zur Verfügung. Die sprachgestützte Navigation lässt kaum Wünsche offen. Die Standortbestimmung geht je nach Empfang zwischen 2-10 Sekunden von statten. Das Kartenmaterial wird ad hoc aus dem Internet geladen. Für die Fußgängernavigation eignen sich die Offline-Karten. Hierbei lassen sich bestimmte Bereiche einer Stadt im Vorfeld per WLAN auf das Gerät laden, so dass im Ausland zum Beispiel, auf das Internet verzichtet werden kann.

Der MP3-Player des Kis Plus ordnet Musik nach Alben, Liedern, Playlist und Interpreten. Die Optik des Players ist sehr ansprechend. Während der Wiedergabe sind ein Bild des Albumcovers, eine Zeitleiste sowie die klassischen Bedienelemente zu sehen. Außer einer Shuffle-Funktion und der Möglichkeit, das Musikstück als Klingelton einzustellen, bietet der Player keine weiteren Einstellungsmöglichkeiten wie beispielsweise Klangspektren oder Equalizer. Zwar ist der Klang des Players über die Handylautsprecher flach und ohne Dynamik, jedoch weiß die Lautstärke zu gefallen. Ein besseres Klangbild zeigt sich bei der Verwendung über die mitgelieferten Kopfhörer. Hier kann die Dynamik überzeugen, wenngleich es ein wenig an Bass fehlt. Auf höchster Lautstärke ist die Ausgabe klar und zu einem Übersteuern kommt es selbst bei Bass-lastigen Titeln. Gern dürfte die Lautstärke jedoch ein wenig höher sein.

ZTE Kis Plus
ZTE Kis Plus
ZTE Kis Plus
ZTE Kis Plus

Dieses wird auch zur Nutzung des UKW-Radios benötigt, da das Kabel als Antenne dient. Der Sendersuchlauf startet wahlweise automatisch oder per manueller Frequenzeingabe. Bei angeschlossenem Headset lassen sich auch die Handylautsprecher aktivieren, welche Radio-Musik, im Gegensatz zu den über den MP3-Player abgespielten Songs, recht laut wiedergeben. Demnach handelt es sich bei der leisen Player-Wiedergabe vermutlich eher um ein Software- als ein Hardware-bedingtes Phänomen. Gefundene Sender speichert das Radio in einer Liste. Mit dem Testgerät wurden zahlreiche Sender gefunden.

Der Kalender des Kis Plus wird wahlweise in Monats-, Wochen- oder Tagesansicht angezeigt. Termine können durch Detailinfos wie Terminname, von-bis, Zeitzone, Ort, Beschreibung, Wiederholung und Erinnerungen ergänzt werden. Der Kalender lässt sich mit weiteren Kalendern synchronisieren. Android-typisch werden optional auch Kontaktdaten mit weiteren Konten abgeglichen. Der Kontaktordner zeigt Kontakte an, die Gruppen zugeordnet und mit Infos wie Vorname, Nachname, Telefon, E-Mail, Klingelton, Postanschrift, Firma, Chat, Notizen, Spitzname, Website und Geburtstag versehen werden können. Ein Anrufprotokoll listet eingehende, ausgehende und verpasste Anrufe mit Uhrzeit und Datum. Auf dem Handy und der SD-Karte gespeicherte Dateien und Ordner findet man im Datei-Manager, in dem sich auch neue Ordner anlegen lassen. Unter dem Menü-Icon „Werkzeuge“ befinden sich weitere nützliche Programme wie Taschenrechner, Notizfunktion und Documents To Go zum Anzeigen von Word-, Excel-, PowerPoint- und Adobe PDF-Dateien. Zum Bearbeiten von Dateien muss ein Lizenzschlüssel über den Onlineshop des Entwicklers oder Google Play erworben werden.

Neben den typischen Google-Diensten kommt das Kis Plus mit weiteren vorinstallierten Programmen daher. So verfügt das Kis noch über ein Backup/Restore Tool, ein News- und Wetter-Programm und einen Sprachrekorder. Über den Google Play Store lässt sich das Handy mit weiteren kostenlosen und kostenpflichtigen Apps ausstatten.

 

ZTE Kis Plus

Das Einsteiger-Smartphone Kis Plus ist kommt optisch sehr gelungen daher. Die Verarbeitung ist sehr gut. Auch die Performance kann trotz schwacher Hardware vollkommen überzeugen. Wer auf aktuelle Grafik-Blockbuster wie Blood&Glory oder ShadowGun verzichten kann, der findet eine ausgewogene Leistung. Die Kamera bietet erstaunlich viele Einstellungsmöglichkeiten und erlaubt eine gute Qualität der Bilder. Ebenso kann die Akkuleistung Dank des stromsparenden Prozessors in Verbindung mit dem kleinem Display überzeugen. Leider hat ZTE am falschen Ende gespart und den internen Speicher viel zu klein bemessen. Das mag auf den ersten Blick aufgrund der Speicherkartenmöglichkeit nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Problematisch wird es jedoch wenn man verschiedene Applikationen installieren möchte, was ja unter anderem den Nutzen von Smartphones ausmacht. Wer mit dem gebotenen Content von ZTE leben kann und neben Facebook, Whatsapp oder Twitter kaum weitere Anwendung braucht, für den reicht der Speicher – in Verbindung mit einer Micro-SD-Karte – allerdings aus.

Insgesamt kann sich das ZTE Kis Plus aber sehen lassen und für gerade einmal 100 Euro erhält der Smartphone-Einsteiger ein Gerät mit einem nahezu unerreichten Preis-Leistungsverhältnis.

ProZTE Kis Plus

  • Gute Verarbeitung und Haptik
  • flüssige Perfomance
  • ansprechende Fotoqualität
  • lange Akkulaufzeit

Contra

  • sehr kleiner Applikationsspeicher
  • geringe Displayauflösung
  • geringe Helligkeit

 

 

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1 KOMMENTAR

  1. Mir hat das ZTE KIS immer viel Spass gemacht . Trotz kleinem Speicher konnte man alles was einem persönlich gefiel runterladen. Als Starterhandy und für den normalen Gebrauch als Telefon mit ein paar Spielereien allemal gut.

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