Auf einer Klausurtagung der Medienkommission der Landesanstalt für Medien (LfM) bei Neuss sprachen Mitglieder mit TV-Produzenten und Machern über die Werte- und Meinungsbildung in aktuellen Programmformaten. Fazit: Die deutschen TV-Sender erkennen die "gesellschaftliche Verantwortung des Fernsehens" an. Sowohl RTL und ProSieben als auch ein Produzent gaben explizite Beispiele.
Aus für "Dschungelcamp"
Barbara Thielen von RTL erklärte, dass der Kölner Privatsender trotz großen Zuschauerzuspruchs bestimmte Formate wie beispielsweise "Dschungelcamp" nicht weitergeführt habe und nicht fortsetzen werde: "Wir wollen Quote, aber nicht um jeden Preis", so Thielen weiter.
Angst vor Misserfolg
Für TV-Produzent Joachim Kosack ("Gute Zeiten, schlechte Zeiten") bleibt das serielle Erzählen "weiterhin Kernstück des Fernsehens". Für ihn stehe die Frage im Mittelpunkt, wie trotz begrenzter finanzieller Mittel Geschichten auf hohem Niveau erzählt werden könnten. Die Gefahr bestehe, dass die Sender aus Angst vor einem Misserfolg beim Bewährten, wie zum Beispiel den zur Zeit erfolgreichen Telenovelas, blieben.
Keine Talkshows mehr
Derweil betonte ProSieben-Mann Christian Asanger, sein Sender habe sich trotz Marktführerschaft bewusst von Talkshows abgewendet und neue Formate wie Dokusoaps und Wissensmagazine eingeführt. Auch zum Thema Schleichwerbung äußerte er sich: "Sie werden in den Programmen unserer Senderfamilie kein Format mit Schleichwerbung finden."
Grenzen aufzeigen
Auch die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) wolle sich in Zukunft verstärkt in die Debatten um Programmangebote des privaten Fernsehens einbringen. "Wir wollen dabei keine Diffamierungsdebatte über das Fernsehen führen, sondern im Dialog mit den Machern klären, wo Grenzen der Verantwortung beginnen und wo sie aufhören", so Medienkommissions-Vorsitzende Frauke Gerlach.