
Die deutsche Traditionsmarke Grundig wandert mehr und mehr in die Türkei ab: Wie das "Handelsblatt" am Mittwoch berichtet, wird nach der Produktion jetzt auch die Entwicklungssparte des TV-Herstellers nach Istanbul verlegt. Dort hat die Koç Holding ihren Sitz, seit 2004 Grundig-Miteigentümer. 19 Mitarbeiter in Nürnberg sind vom Umzug betroffen.
Die Türkei ist bei der Herstellung von Fernsehern die Nummer zwei in Europa. Die Koç Holding ist das größte Privatunternehmen des Landes. Zu deren Unterhaltungselektronik-Tochter Arçelik gehört Grundig seit 2008 komplett; nach der Insolvenz von 2004 bis 2008 gehörte Grundig zum Teil zu Koç und in gleicher Hälfte zu Alba, einem englischen Elektronikunternehmen. Am ehemaligen Grundig-Stammsitz in Nürnberg bleiben nur noch 180 von ehemals 40.000 Mitarbeitern übrig, die sich dann um Produktmanagement, Martkentwicklung und Vertrieb kümmern. Im Werk in Istanbul arbeiten rund 1.600 Beschäftigte.
"In unserer Branche ist Timing sehr wichtig", sagte Produktionschef Cemal Öztürk zur Verlegung. So lasse sich im Optimalfall ein Vorsprung von bis zu drei Monaten gegenüber der Konkurrenz herausholen. Im Grundig-Werk sollen 2009 nur noch LCD-Flachbildschirme hergestellt werden, berichtet das "Handelsblatt". Die Produktion soll gegenüber 2008 von 1,5 auf 1,9 Millionen Stück gesteigert werden.